
Lieber Herr Kohler, leider ist Ihnen mit diesem Kommentar nur eine Sammlung haarsträubender Argumente ohne jeden roten Faden gelungen. 1.) "Ronald Reagan – dem Mann, der den Weg zur deutschen Einheit freiräumte" dürfte als Argument schwer (oder gar nicht) zu beweisen sein, zumindest fallen mir einige andere Namen ein, die einen ähnlichen Anspruch stellen dürften. 2.) "Einem Republikaner aus Texas darf man einfach nicht die Welt anvertrauen." Wer hat denn das gesagt? Zumindest gab es ja schon einmal einen Präsidenten mit den selben Attributen, auch noch aus der selben Familie, der in Deutschland wesentlich (!) beliebter war. 3.) Dass Sie Herrn Schröder und den Kremel von heute nicht mögen ist bekannt, hat hier aber wenig zu suchen. 4.) "Auch die meisten der Kritiker Bushs wollen nicht, dass Amerika sich nur noch um sich selbst kümmert." Das stimmt wohl, aber zwischen der "Hau-drauf Politik" eines G. W. Bush und der ausschliesslichen Beschäftigung mit sich selbst wird Amerika auch noch einen gesunden Zwischenweg finden, zumindest bin ich da sehr optimistisch, egal ob ein Demokrat oder ein Republikaner die Führung übernimmt.

Arg daneben liegt der Verfasser, mit seiner Herabsetzung von Senator Obama als 'Heilsbringer'. Denn Obama allein wird das Blatt ohnehin nicht zu wenden vermoegen. Amerika braucht die zupackende Tatkraft der Optimisten, Koepfe, die dem 'American Dream' neues Leben einhauchen und Konturen geben fuer das kommende Jahrzehnt. Es bedarf dringend des leidenschaftlichen Engagements derer, die nicht nur staendig das Dollar - Zeichen in den Augen tragen, vielmehr an die freiheitliche Botschaft der amerikanischen Verfassung glauben. Die Vereinigten Staaten und ihre Buerger sind unuebertroffen mit ihrer Originalitaet, einen anderen Weg zu gehen.

Was soll die giftige Schelte der Bush - Kritiker? Beklagt der Verfasser, dass diese Kritik unfair ist? Er selbst kann nicht umhin, dass Fiasko des Iraks einzuraeumen. Aber es geht nicht allein um den zeitgeschichtlichen Tatbestand eines verpfuschten Krieges, vielmehr darum, die fehlende Lauterkeit von Amtsfuehrung zu benennen. Denn Bush log und manipulierte systhematisch. Wir wissen es von Aussagen der Zeitzeugen, Colin Powell mit einer Taeuschung der Vereinten Nationen, z. B. Gerade hat ein Senatsausschuss Unregelmaessigkeiten bei der Kriegsvorbereitung festgestellt, usw. Ist es unfair, Praesident Bush an seinem Massstab des 'compassionate patriotism' zu messen? Er hatte acht Jahre lang Zeit, dies in gelebte Politik umzusetzen. Ist die Feststellung erlaubt, dass und wie sehr dies misslungen ist?

Man kann wohl davon ausgehen, das dem Autor die Republikaner sympathisch sind. Sehr sympathisch sogar! Und zwar so sympathisch, das er uns mal eben nahe bringen will, wem wir eigentlich die deutsche Einheit verdanken: einem Republikaner natürlich! "Seit Ronald Reagan – dem Mann, der den Weg zur deutschen Einheit freiräumte –" Das ist ja eine ganz neue Variante - der Reagan wars also. Schön, das es immer wieder mal Spitzen-Journalsten gibt, die die wahren Zusammenhänge erkennen.