George W. Bush

Abschied vom Prügelknaben

Von Berthold Kohler

Bush nimmt Abschied (auf dem Flughafen Berlin-Tegel)

Bush nimmt Abschied (auf dem Flughafen Berlin-Tegel)

11. Juni 2008 George Walker Bush wird den Deutschen noch fehlen. Seit Ronald Reagan – dem Mann, der den Weg zur deutschen Einheit freiräumte – waren sich die Bürger dieses Landes nicht mehr so einig in der Ablehnung, eher noch Verurteilung eines amerikanischen Präsidenten.

Zu seinem Abschiedsbesuch überschlugen sich denn auch die Nachrufe, mit denen selbst Politiker des bürgerlichen Lagers sich als Kenner der (gelinde gesagt) amerikakritischen Stimmung im Lande auszeichnen wollten. Nicht selten klang das wohlvertraute Ich-hab’s-doch-gewusst durch: Einem Republikaner aus Texas darf man einfach nicht die Welt anvertrauen.

Viel lieber würden die Deutschen, wenn sie es denn zu bestimmen hätten, das Schicksal der Menschheit in die Hände eines außenpolitisch zwar auch noch beratungsbedürftigen, aber als Heilsbringer daherkommenden Senators aus Illinois legen.

Auf Platz zwei käme schon der nette Herr Medwedjew, dessen lupenreiner Vorgänger von Deutschland wärmstens verabschiedet worden ist. Doch wer soll dann den Prügelknaben machen, wenn es in der Welt wieder einmal schiefläuft, weil die Amerikaner eingegriffen haben – oder sich weigern, es zu tun?

Beschädigte Glaubwürdigkeit

Auch die meisten der Kritiker Bushs wollen nicht, dass Amerika sich nur noch um sich selbst kümmert. Die Vorwürfe zielen vor allem darauf, dass Washington unter Bush junior seine Macht falsch und kontraproduktiv eingesetzt habe. Dafür liefert die Intervention im Irak leider einige Belege. Amerika musste seine Hybris mit vielen toten Soldaten, einer stark beschädigten Glaubwürdigkeit und riesigen Abflüssen aus der Haushaltskasse bezahlen.

Bush aber im selben Atemzug vorzuwerfen, er habe nicht ausreichend für die Menschenrechte in der Welt gekämpft, ist unlauter. Die großen Moralisten der Weltpolitik, die Europäer, hätten sich in Afghanistan und im Irak nicht die Hände schmutzig gemacht. Wahrscheinlich würde die EU bis heute die Schreckensherrschaften Saddams und der Taliban verurteilen, zutiefst natürlich.

Im Fall Iran haben Amerikaner und Europäer noch die Chance, eine gemeinsame Strategie zu verfolgen. Doch die Zeit wird knapp. Bushs Nachfolger könnte sich zu sehr unpopulären Entscheidungen gezwungen sehen. Für die Deutschen wäre freilich alles halb so schlimm, wenn diese nur nicht von einem Republikaner getroffen würden.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

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