Glosse Politik

Wunderwaffe

21. Juli 2005 Nm. Man weiß manchmal nicht recht, wie man den von französischen Politikern demonstrierten Glauben an die Problemlösungsfähigkeit des Staates einzuschätzen hat: als Wähler- oder als Selbsttäuschung. Nun will die Regierung der Jugendarbeitslosigkeit mit Hilfe des Militärs zu Leibe rücken (in Deutschland würde schon der Gedanke daran mit Schreien des Entsetzens quittiert). 20000 junge Erwerbslose sollen die Chance bekommen, bei der Armee "zunächst einmal" zu lernen, was Disziplin sei, sagt Verteidigungsministerin Alliot-Marie. Fragt sich nur, ob sich ausgerechnet diejenigen freiwillig zum Militär melden, die das nötig haben. 300 Euro Taschengeld lassen sich mit Gelegenheitsjobs, staatlichen Unterstützungsleistungen oder mit kleinen Gaunereien allemal verdienen, ganz ohne militärischen Zwang. Ob die Armee, die, solange Wehrpflicht bestand, zusammen mit dem staatlichen Schulwesen (Education nationale) als "Integrationsmaschine" galt, nun zur Wunderwaffe auf dem Arbeitsmarkt taugt, ist zu bezweifeln. Allerdings wird die neue Berufsarmee von schweren Nachwuchssorgen geplagt. Da wäre es schon ein Erfolg, wenn auf diesem Weg ein paar tausend Rekruten gewonnen werden könnten.

Text: F.A.Z., 22.07.2005, Nr. 168 / Seite 10

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