
Der Bericht listet Phänomene auf, die alle sehr unterschiedliche Ursachen haben. Das Grundübel der deutschen Bildungspolitik ist, daß hierzulande immer nur über verwaltungstechnische Lösungen debattiert wurde, niemals aber über qualitative Bildungsziele und Strategien. Das rächt sich jetzt. Der andere Grund ist die daraus folgende, hoch ideologisierte Debatte um PISA und die Folgen. Auch hier hat man sich nur mit den Verwaltungsakten nicht aber mit den qualitativen Aspekten befaßt. Im Gegenteil: man glaubt einer vereinheitlichenden Studie mehr als dem eigenen, international durchaus anerkannten Bildungssystem. Die Folge: man sitzt der ideologisch wohl plazierten Finte auf, in Deutschland gebe es zu wenige Studierende. Dieses Argument basiert einzig auf der Tatsache, daß man in der Studie das duale Ausbildungssystem nicht unterbringen konnte. In Frankreich bspw. ist die Berufsbildung verschult. Da die "Lehrlinge" aber aus der Schulpfllicht sind, heißen sie "Etudiens", was aber noch lange keine Studierenden sind. Als Folge wird politisch eine "Europäisierung der Berufsausbildung" verlangt - mit entsprechenden Folgen. Und beim Bachelor wurde niemand vorher gefragt, was Qualität in der universitären Bildung bedeutet.

Die Einführung des Bachelor war ein großer Fehler. Der frühere deutsche "Diplomingenieur", egal ob von Universität oder Fachhochschule, war ein international anerkannter und geschätzter Abschluss. Dabei war es ziemlich egal ob von der TU München oder der "FH Pusemuckel", ein Ingenieur aus Deutschland war überall geachtet. Mit dem "Bachelor" haben wir uns in einen riesigen Teich von unbestimmten 'Pseudo-Titeln' begeben. Denn was deutschen Bildungspolitikern scheinbar völlig entgangen ist, ist die Tatsache, das ein "Bachelor" erstmal gar nichts aussagt. Jeder kann sich so nennen, man kann sich schon lange im Ausland z.B. "Bachelor of Hairdressing" nennen. Plötzlich zählt der Titel nur noch zusammen mit der Universität, also nicht nur "Bachelor", sondern "Bachelor von der Uni XY". Das aber benachteiligt massiv all die Absolventen die von sehr guten aber leider im Ausland oft unbekannten deutschen Fachhochschulen kommen. Die stehen bei der Bewerbung plötzlich mit Leuten in Konkurrenz die irgendwo auf der Welt höchst zweifelhafte "Bachelor" Abschlüsse gemacht haben, aber rein formal jetzt auf der selben Ebene stehen.