14. November 2006 wgl. Daß in Kongo der bisherige Amtsinhaber Joseph Kabila sich zum Sieger der Stichwahl für das Amt des Staatspräsidenten erklärt, überrascht sowenig wie die Reaktion seines Herausforderers und Rivalen Jean-Pierre Bemba: Der hat nämlich schon Betrugsvorwürfe erhoben. Zu welchem Ergebnis die Wahlkommission bei ihrer Überprüfung dieser Anklage kommen wird, bleibt abzuwarten. Daß es im Riesenreich in der Mitte des Kontinents, für das der Schriftsteller Joseph Conrad einst den Begriff "Herz der Finsternis" prägte, ganz ohne Unregelmäßigkeiten abgegangen sein sollte, ist schwer vorstellbar. Der Verlauf der Wahl war, nimmt man beide Wahlgänge zusammen, indessen relativ ruhig, trotz der teilweise blutigen Zusammenstöße vom Wochenende. Dies dürfte einer der Gründe sein, warum die Europäische Union ihre Truppenpräsenz, wie vorgesehen, zum Ende des Monats beenden wird. Darüber herrsche "breite Zustimmung" aller 25 Verteidigungsminister, sagt Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung. Die Kongolesen sind dann gehalten, selbst für Stabilität und einen Neuanfang in Sachen Demokratie zu sorgen. Das ist gut so.
Text: F.A.Z., 15.11.2006, Nr. 266 / Seite 12