Leitartikel

Das Elend im Osten

Der ungarische Historiker István Bibó verglich Föderationen einmal mit Ehen - man möge sie erst eingehen, wenn man die alten Probleme gelöst hat, denn sie werfen neue auf. Erst recht, wenn sie unauflöslich sind.

Lesermeinungen zum Beitrag

28. Oktober 2007 15:37

Elend im Osten - Gibt es auch Kwaśniewski-Zwillinge? Oder sogar Klaus-Zwillinge?

Stephan Heidenhain (karlbaedeker)

Ich war erstaunt, auf der ersten Seite einen Kommentar über das „Elend im Osten“ zu lesen, der dann nur über die Slowakei, Polen und Rumänien handelte. Aber abgesehen von dieser Geographie ist ein Satz wie „Auch das Polen der Kwaśniewski-Zwillinge hätte den Beitritt zur EU kaum geschafft“ doch ein wenig merkwürdig: einerseits gibt es keine Kwaśniewski-Zwillinge – oder etwa doch? Und vielleicht gibt es sogar Klaus-Zwillinge, von denen nur die FAZ weiß? -; andererseits haben gar nicht die Kaczyński-Zwillinge den EU-Beitritt verhandelt. Und die Feststellung „So wir es heute aussieht, erfüllt weder die Slowakei noch Rumänien (sc. noch Polen) die Kriterien der EU-Mitgliedschaft“, ist auch etwas sehr kühn: welche genauen Punkte der Kopenhagener Kriterien werden denn nicht erfüllt?

Schlimm ist die Selbstgerechtigkeit des Artikels – das „Elend im Osten“: als ob es gar kein Elend im Westen gäbe, wie z.B. in Belgien, wo es seit mehr als 100 Tagen gar keine Regierung gibt, und wo vielleicht sogar der erste EU-Staat ganz verschwindet, oder auch in Deutschland, wo es Populisten wie in der Linkspartei, aber auch in der SPD (Beck) und der CDU (Rüttgers) gibt etc.

Kritik an „Mitteleuropa“ - ist in Ordnung, aber bitte mit weniger Hochmut.

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27. Oktober 2007 17:48

Jedes Wort des Artikels ist wahr.

Thomas Flöer (tyreco)

Ich habe allerdings keine Bedenken, dass die jungen Rumänen die Probleme binnen einer Generation lösen werden. Um es mit den Worten des rumänischen Präsidenten zu sagen. Rumänien wird eine positive Überraschung für Europa sein.

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27. Oktober 2007 14:29

Das Land verliert

Joachim Cotaru (cotaru)

Das Desinteresse der rumänischen, pardon: Bukarester, Politeliten, die grassierenden Probleme im Land zu lösen, ist atemberaubend. Das Desinteresse der EU an der Umsetzung der vor Beitritt verlangten Reformen nicht minder. Der Absatzmarkt ist gewonnen, die Justizreform zerronnen. Sanktionen und Schutzklauseln werden im Agrar- und Umweltsektor angedroht. Damit gehen Brüssel und Bukarest im schlimmeren Fall Hand in Hand - die Folgen werden wieder einmal zuerst die 10 Millionen Landbewohnerinnen und -bewohner zu spüren bekommen. Der vierte Agrarminister binnen Jahresfrist ist das Zeichen schlechthin für den verpatzten Betritt und die zerplatzten Hoffnungen, die der EU-Beitritt Rumäniens in einer Orientierung zu transparenten und inhaltsorientierten Politikprinzipien ermöglicht hätte.

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26. Oktober 2007 22:35

Glanz im Westen?

Rolf Joachim Siegen (rolfS2)

<Die Krise im Osten ist die Krise der heimischen Eliten.>
Will der Verfasser uns glauben machen, im Westen stuende alles zum Besten, insbesondere was den Zustand der 'heimischen Eliten' angeht? Das Gegenteil trifft zu: Die innere,(zwischen-) menschliche Zerruetung geht dort viel tiefer als im Osten.

Ausserdem: Dass ausgerechnet eine Zeitung aus einem Land, das z. B. 'Siemens' mit einem Berg von Korruption bislang unbekannten Umfangs beheimatet, die Nase ueber osteuropaeische Kulturen ruempft, entbehrt nicht der Ironie. Der Verfasser sollte eher dazu aufrufen, dass die Deutschen ihr eigenes Haus in Ordnung bringen. Typischer F.A.Z. (West) - Hochmut.

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