15. Februar 2006 Dt. Die große Koalition erleichtert sogar Entscheidungen, die gar nicht in ihrem Programm stehen. Im vergangenen Jahr noch war die Mehrheit der Justizminister der Union strikt dagegen, Scheidungsverfahren zu vereinfachen. Jetzt kann sich sogar die bayerische Justizministerin Merk, die damals noch abschätzig von "Scheidung light" gesprochen hatte, mit dem neuen Vorstoß der Bundesjustizministerin Zypries anfreunden. In der Tat haben weder die lange Dauer noch die Umständlichkeit und die hohen Kosten des geltenden Verfahrens Scheidungswillige von der Trennung abgehalten, denn die Scheidungsrate steigt unaufhaltsam. Wo diese Trennung in beiderseitigem Einvernehmen vorgenommen wird und keine Kinder zu Schaden kommen, gebietet auch der grundgesetzliche Schutz von Ehe und Familie nicht das Aufrichten finanzieller und bürokratischer Hürden. Des Schutzes bedürfen vor allem die wehrlosen Dritten, die Scheidungskinder. Zustimmung sichert sich Frau Zypris für die Generalrevision des Familienrechts deshalb vor allem durch Regelungen, die bewirken sollen, daß Kinder aus zerbrochenen Ehen nicht so leicht wie bisher von einem Elternteil entfremdet werden können.
Text: F.A.Z., 16.02.2006, Nr. 40 / Seite 8