Glosse Politik

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26. Juli 2007 kum. Mit großem Geschick bedienen sich die afghanischen Taliban und ihre Helfer bei der Manipulation von Nachrichten der vermeintlich größten Stärke des Internets: seiner Schnelligkeit. In keinem Medium können Nachrichten schneller plaziert werden als im weltweiten Netz. Das entpuppt sich nun in vielen Fällen als seine größte Schwäche. Andere Medien haben gewissermaßen eingebaute Filter, die Falschmeldungen zurückhalten und die belanglose Spreu vom wichtigen Weizen trennen. Ein natürlicher Filter ist die Zeit - eine Nachricht sollte so lange auf ihre Veröffentlichung warten müssen, bis sie hart ist, also geprüft werden konnte. Im Netz hingegen überbieten die Nachrichtenportale die Schnelligkeit der Konkurrenz durch noch größere Schnelligkeit. Das wird im Web 2.0 so weit getrieben, dass sich die Enten sozusagen im Nichts des virtuellen Boulevards auflösen: Die falsche Meldung von eben ist im Nu durch eine neue ersetzt, und sei es durch eine blitzschnelle Falschmeldung, und so weiter - bis die Korrektur der Korrektur der Korrektur endlich den tatsächlichen Stand der Dinge beschreibt. Das kann ganz schön lange dauern. Der Fortschritt ist eine Schnecke.

Text: F.A.Z., 27.07.2007, Nr. 172 / Seite 12

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