Bayern

Modell Strauß

Von Georg Paul Hefty

09. Oktober 2008 Horst Seehofer verkörpert nun die CSU. Dies entspricht den obrigkeitsorientierten Gepflogenheiten dieser Partei. Diese hatte aus gesamtdeutscher Sicht stets eine Idee - auf christlich-sozialer Grundlage die Volkspartei schlechthin zu sein - und eine beherrschende Führungsfigur, auch wenn für den bayerischen Hausgebrauch oft noch ein zweiter Mann die Erfolge sicherte. Seehofer wird allerdings nicht an das Modell Stoiber, sondern an das Modell Strauß anknüpfen.

Beide waren jeweils ungefähr ein Jahrzehnt lang Ministerpräsident und Parteivorsitzender zugleich, doch sie unterscheiden sich in einem Punkt wesentlich: Stoiber hat sich vor allem an dem über die Jahrzehnte gewachsenen Bayern gerieben - vom klassischen Gymnasium bis zum Obersten Landesgericht -, während Strauß seine Feindbilder geradezu ausschließlich aus den außerbayerischen Verhältnissen bezog. Folgt Seehofer dessen Vorbild, dann wird er nicht die Bayern mit einer nochmaligen Reformwelle überziehen, sondern seinen demonstrativen Veränderungswillen auf das richten, was außerhalb des Freistaates liegt.

Kaum Talente im großen Bayern

Da könnte nicht nur die SPD, sondern auch die CDU einiges zu hören bekommen. Frau Merkels Überzeugung, mit Seehofer „prima zusammenarbeiten“ zu können, klingt nach Pfeifen im Wald und könnte sich als frommer Wunsch erweisen. Seehofer wird nicht vergessen, dass ihn die CDU-Vorsitzende einige Male ins politische Abseits stellen wollte, und er wird mit dieser Erinnerung spielen - je nachdem, wie es die CSU jeweils braucht.

Ein zweites Element, das sich - solange Seehofer noch nicht die beiden Chefposten innehat - aus dem Modell Strauß ergibt, wird schwerer zu handhaben sein. Seehofer kann zwar die Öffentlichkeitsarbeit der CSU und der bayerischen Staatsregierung allein bewältigen, aber für vieles andere braucht er Helfer, die gleichfalls Eindruck machen. Und an solchen scheint es in der - an der Bevölkerungszahl gemessen - größten deutschen Partei zu mangeln. Außer einer Handvoll anerkannter Helfer in München und einer anderen Handvoll in Berlin vermag die CSU auf nicht genügend viele Leute zu verweisen, die sich mit der Lösung kniffliger Aufgaben Bekanntheit und sogar Achtung in der Öffentlichkeit erarbeitet haben oder sich mit Gewissheit erarbeiten werden. Seehofer muss auf Talentsuche gehen.

Text: F.A.Z.

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