Unruhen nach den Wahlen

Kenianische Milchtröge

Von Robert von Lucius

02. Januar 2008 Die G-8-Staaten, die Bundeskanzlerin, der Bundespräsident: Immer wieder berufen sie sich auf Zeichen der Hoffnung in Afrika, vor allem bei Großkonferenzen. Auch wenn das letzte Jahrzehnt dem Kontinent mehr Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Parteienvielfalt beschert hat - Rückschritte wiegen vieles auf, zumindest im Bild der Öffentlichkeit. Das gilt für Kenia in besonderem Maße.

Alles, was man gerne mit Afrika in Verbindung bringt, zeigt nun dieser Konflikt: Stammesdenken, Korruption, Machtmissbrauch, Armut und schwer kontrollierbare Gewalt. Das ist eine gefährliche Mischung. Doch es sollte auch nicht übersehen werden, dass nach Jahrzehnten der Stagnation, des Machtbeharrens und des Verfalls schon der Ablauf der Wahl ein Fortschritt war. Einen Wahlausgang, der nicht von vornherein feststand, gab es in dem ostafrikanischen Land bisher nicht; ebenso wenig einen so starken Einfluss ausländischer Wahlbeobachter.

Verquickung von Politik und Eigennutz

Neben den Gefahren für die Stabilität Kenias und Ostafrikas gibt es indes eine weitere, die mittelfristig ähnlich belastend sein kann: Ermüdung und Resignation im Westen und bei Hilfswilligen. Lange stand Kenia für das verklärte Bild Afrikas - seine Steppen, die Serengeti, die Tierfilme der Sechziger und der Schmachtstreifen „Out of Africa“. Afrika-Reisende zog es auch wegen seines angenehmen Klimas an.

So gingen die meisten ausländischen Afrika-Korrespondenten nach Nairobi. Das Bild, das sie von ihrem Gastland und dessen Politikern vermittelten, entsprach schon früher oft nicht der unschönen Wirklichkeit. Korruption etwa ist in Kenia seit Jahrzehnten tiefer in die Volksseele und das tägliche Leben eingekerbt als in vielen anderen Ländern Afrikas.

Das zeigte sich auch bei der alten Regierung, die mit dem Versprechen angetreten war, alles besser zu machen. In der Wirtschaft gelang ihr das. Die Verquickung von Politik und Eigennutz aber blieb - und die würde sich auch unter der Herrschaft der Opposition nicht ändern. Alle drängen zu den Milchtrögen, die der Mehrheitsstamm der Kikuyu kontrolliert: Arbeitsplätze, Geldströme, Privilegien. So ist es denkbar, dass die vermutete Wahlfälschung gar nicht von den oberen Machthabern gesteuert wird, sondern von den ebenso Profitierenden in Polizei, Militär, Beamtenschaft und unter den örtlichen Politikern.

Text: F.A.Z.

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