Kommentar

Mord und Wort

03. August 2005 Der brandenburgische Innenminister Schönbohm (CDU) wird mit Schmähkritik überhäuft. Der Linkspartei-Vorsitzende Bisky fordert ihn auf, „aus der Kloake aufzutauchen“. Der Schweriner CDU-Fraktionschef Rehberg spricht von einer „verbalen Entgleisung“.

Der brandenburgische Bildungsminister Rupprecht (SPD) sagt, die Worte Schönbohms erschütterten ihn ebenso wie die Morde an neun Säuglingen in Frankfurt an der Oder. Was hat er denn gesagt, das neun Morden gleichkäme? „Als ich von dem Fund der toten Babys hörte, ist mir physisch schlecht geworden. Ich habe an meine eigenen Kinder gedacht und an meine sechs Enkelkinder... Der ganze Fall hat ja fast eine biblische Dimension.“

Auf die Frage nach möglichen Ursachen erwähnt Schönbohm weitere Kindesmorde in Frankfurt und Cottbus und ein grauenvolles Skinhead-Verbrechen in Potzlow. „Diese Grausamkeit der Täter und die Gleichgültigkeit der Umgebung, da befällt einen wilde Schwermut.“ Er glaube, daß die besonders in ländlichen Gebieten „von der SED erzwungene Proletarisierung eine der wesentlichen Ursachen ist für die Verwahrlosung und Gewaltbereitschaft“. Treffer. Daher das Geschrei.

Text: V.Z.; F.A.Z.,

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