Krippenausbau

Von der Leyens Tonnenideologie

Von Stefan Dietrich

Von der Leyens Pläne zum Krippenausbau sind schnell gereift

Von der Leyens Pläne zum Krippenausbau sind schnell gereift

11. Oktober 2007 Ministerin von der Leyen kann stolz sein - und sie war es am Donnerstag auch. In weniger als einem Jahr ist ihre im Januar geborene Idee, die für die Kleinkindbetreuung zur Verfügung stehenden Plätze auf 750.000 zu verdreifachen, zu einem Vier-Milliarden-Euro-Programm gereift, das nun schon in erster Lesung dem Bundestag vorlag.

Als Werbung für die große Koalition taugt dieses Gesetz aber nicht. Denn dafür gibt es im Bundestag sogar eine Sechs-Parteien-Koalition. Ein wenig gestritten wurde nur noch darum, ob das Programm nicht noch schneller verwirklicht, noch großzügiger ausgestattet, noch verbindlicher garantiert werden könnte.

Quantität statt Qualität

Nicht einmal Abgeordnete von SPD und Grünen brachten zur Sprache, dass der angestrebte „Versorgungsgrad“ von 35 Prozent auch schon durch das Kindertagesstättenprogramm der Regierung Schröder erreicht worden wäre, jedenfalls dann, wenn das zwischenzeitlich gleichfalls von Frau von der Leyen erkämpfte Elterngeld für die häusliche Erziehung genutzt wird.

Auf dieser Grundlage wären die nun zusätzlich lockergemachten vier Milliarden Euro besser in die Ausbildung von Erzieherinnen und die Verkleinerung des Betreuungsschlüssels in den außerhäuslichen Einrichtungen geflossen. Über die Qualitätssteigerung aber wurde nur diskutiert; investiert wird weiter in Quantität. In Zeiten der Planwirtschaft nannte man so etwas Tonnenideologie.

Geringschätzung der öffentlichen Kinderbetreuung

Warum glauben manche Familien, dass sie durch den Krippenausbau benachteiligt werden, fragte die Ministerin - und gab gleich die richtige Antwort darauf: weil sie schon lange das Gefühl haben, dass ihre Erziehungsleistung nicht gewürdigt wird. Daran änderte ihr Loblied auf die Familie aber auch nichts. „Das bisschen Windelwechseln und Fläschchengeben können doch wohl auch andere für einen erledigen“, ist nach wie vor eine verbreitete Einstellung.

Bis heute wird für die öffentliche Kinderbetreuung nicht einmal eine vertiefte Ausbildung verlangt, geschweige denn ein anständiger Lohn gezahlt. Diese Geringschätzung wird durch die Erhöhung der Zahl der Krippenplätze eher noch verstärkt. Und auch das von der Union „zum Ausgleich“ geforderte zusätzliche Betreuungsgeld wird vielen Eltern nicht das Gefühl geben, dass ihre Erziehungsarbeit nun angemessen gewürdigt würde.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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