Von Reinhard Müller
07. März 2008 Nur wenige deutsche Symbole haben eine so lange Tradition wie das Eiserne Kreuz. Es ist erstaunlich, dass sich die schlichte Auszeichnung aus der Zeit der nationalen Erhebung gegen Napoleon immer noch auf den Fahr- und Flugzeugen der Streitkräfte findet. Die sonstige Praxis sieht anders aus.
Seit einiger Zeit ist die Bundeswehr krampfhaft darum bemüht, die Verbindungslinien zu ihren Vorgängerarmeen auf mitunter peinliche Weise zu kappen. Zwar währt die eigene Tradition nun auch schon mehr als ein halbes Jahrhundert. Aber aus dem Nichts ist die Bundeswehr nicht entstanden. Sie wurde von einstigen Soldaten der Wehrmacht aufgebaut, die wiederum in der Reichswehr und der kaiserlichen Armee ausgebildet worden waren.
Keine Auszeichnung für Tapferkeit im Krieg
Da man heute manches besser weiß und heutige Maßstäbe auch an das Handeln der Vorfahren anlegt, dürfen Kasernen fast nur noch die Namen von Widerstandskämpfern tragen. Der, bei allen Zweifeln, im guten Glauben für sein Land tapfer kämpfende Soldat - das Eiserne Kreuz in allen seinen Stufen wurde für Tapferkeit verliehen - gilt kaum noch als gedenkwürdig. Ihm gewidmete Denkmäler finden sich fast nur noch in der Provinz; in den Universitätsstädten sind sie beschmiert oder längst geschleift.
Das hat auch Gründe, die mit den aktuellen Herausforderungen der Bundeswehr zu tun haben. Krieg, Tapferkeit oder gar Tapferkeit im Krieg - diese Begriffe sind tabu, schon weil sie eine Wirklichkeit beschreiben, die man in Berlin nicht beim Namen nennen will. Umso lauter wird jetzt versichert, zu keiner Zeit sei daran gedacht worden, das Eiserne Kreuz wiederaufleben zu lassen. Es gehe nicht um eine Auszeichnung für Tapferkeit im Krieg, weil die Bundeswehr nicht im Krieg sei, lässt das Bundespräsidialamt verlauten.
Stattdessen will man nun diejenigen, die etwa Deutschlands Sicherheit nach Ansicht seiner Regierung am Hindukusch tapfer verteidigen, mit einer neuen Stufe des Ehrenzeichens der Bundeswehr bedenken. Das ist bisher ebenso wie die Medaille für den Auslandseinsatz im Wesentlichen an die Dauer der Dienstzeit geknüpft. Immerhin ähnelt das Ehrenzeichen dem Eisernen Kreuz. Das sollte daran erinnern, dass auch das demokratische Deutschland tapfere Kämpfer braucht, die es notfalls mit Leib und Leben verteidigen.
Text: F.A.Z., 07.03.2008, Nr. 57 / Seite 1
