SPD

Becks Basta

Von Stefan Dietrich

10. März 2008 Zwei Wochen lang war die SPD mindestens so krank wie ihr Vorsitzender. Wie im Fieberwahn taumelte sie zwischen Draufgängertum und Depression. Linke und Rechte in der Partei gingen sich gegenseitig an die Gurgel, die Umfragewerte sausten in den Keller – und alles nur, weil Kurt Beck in einer schwachen Stunde den Einflüsterungen der „gefühlten“ Wahlsiegerin Ypsilanti erlegen war.

Wer erwartet hatte, dass nach diesem Desaster ein angeschlagener, zerknirscht um Nachsicht bittender Kurt Beck auf die Bühne zurückkehren würde, konnte sich am Montag nur wundern über dessen Verdrängungskunst. Mit ungebrochenem Führungswillen behauptete dieser Vorsitzende, nicht nur fest im Sattel zu sitzen, sondern auch noch die Richtung zu bestimmen, in die das Pferd läuft. Die SPD sei klar aufgestellt; sie habe die richtigen Antworten für die Probleme der Leute.

War da was? Ja, eine Kleinigkeit: Es habe nicht geklappt mit dem „Raushalten“ der Linkspartei aus den westdeutschen Landtagen. Deshalb werde es jetzt „eine andere Art der Auseinandersetzung“ mit dieser Partei geben, keine Hinwendung und schon gar keine Zusammenarbeit im Bund, nur – und dann war das Wort doch heraus – einen Strategiewechsel. Die von Beck vor neun Monaten verkündete Marschrichtung – keine Zusammenarbeit mit der Linken im Westen – ist überholt. Es gilt, was am Abend der Hamburger Wahl in aller Eile in Berlin formuliert wurde, um Becks stark gefährdeten Kopf zu retten: Die Landesverbände entscheiden von Fall zu Fall, ob sie mit der Linkspartei gemeinsame Sache machen wollen. Am Montag schob Beck nur noch die Einschränkung nach, dass Listenverbindungen mit DKP-Leuten sich nicht für eine Zusammenarbeit eigneten.

Ist das die neue Art, wie in der SPD Strategiewechsel herbeigeführt werden? Wäre Gerhard Schröder so mit der Partei umgesprungen, hätte der linke Flügel ihn schneller aus dem Sattel geworfen, als er „basta“ hätte sagen können. Bei Beck aber soll nun ein ohne Diskussion vollzogener Strategiewechsel auch gleich noch alles wegwischen, was vor den Wahlen dieses Frühjahrs als unumstößlich galt. Wenn Kurt Beck noch immer keinen Wortbruch erkennen kann, so ist er vielleicht doch noch nicht so gesund, wie es scheint. Die SPD jedenfalls wird an ihrer Krankheit noch eine ganze Weile laborieren.

Text: F.A.Z.

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