Mit Schäfer-Gümbel in die Neuwahl

Der Zweitreiher der SPD

Von Helmut Schwan

08. November 2008 Jedenfalls wird Thorsten Schäfer-Gümbel die knappen Mitteln für die Neuwahl in Hessen zusammenhalten. Ende vergangenen Jahres, als er im mittelhessischen Gießen um Stimmen für ein Landtagsmandat warb, hatte er zum Teil persönlich den Bürgern Wünsche für ein „frohes Fest und ein glückliches neues Jahr“ in den Briefkasten gesteckt. Bloß keine Verschwendung von Ressourcen.

Der Neununddreißigjährige galt bisher als der „kommende Mann“, als einer mit zumindest mittelfristiger Perspektive in der hessischen SPD. Dass ihn Andrea Ypsilanti gestern, fünf Tage nachdem ihr Versuch gescheitert war, Ministerpräsidentin zu werden, völlig überraschend als Spitzenkandidaten für die Neuwahlen am 18. Januar vorschlug, verdankt er vor allem dem engen Vertrauensverhältnis zu ihr. Und er war ganz offenbar bereit, sich weiter von ihr, der großen Vorsitzenden, führen zu lassen.

Ein in der Wolle gefärbter Sozialdemokrat der Marke Hessen-Süd

Spitzenkandidat von Ypsilantis Gnaden: Thorsten Schäfer-Gümbel

Spitzenkandidat von Ypsilantis Gnaden: Thorsten Schäfer-Gümbel

Der Politikwissenschaftler hatte das rot-grün-rote Experiment nach Kräften unterstützt. Zwar war er an den Koalitionsverhandlungen in der Domäne Mechtildshausen nicht beteiligt, hielt aber, wie man aus der SPD hört, Frau Ypsilanti „den Rücken frei“. Er hätte damit rechnen können, womöglich sogar Vorsitzender der Fraktion zu werden. Bisher war er, seit 2003 im Hessischen Landtag, Sprecher der SPD für Industrie- und Beschäftigungspolitik sowie für Forschung und Technologie.

Der Öffentlichkeit ist der Vater dreier Kinder vor allem wegen seines schier grenzenlosen Optimismus bekannt, mit dem er, akzentuiert durch die weitgeschwungene Brille, von den Wahlplakaten strahlte. Parteifreunde beschreiben den gebürtigen Bayern als ungemein fleißig, gewissenhaft und „inzwischen pragmatisch“. Er ist ein in der Wolle gefärbter Sozialdemokrat der Marke Hessen-Süd. Seit 22 Jahren in der Partei, hat er es zum stellvertretenden Vorsitzenden des Unterbezirks geschafft, der seinem Ruf nachtrauert, einmal links-innovativ gewesen zu sein.

Ganz so, als wolle er die alte Kampfkraft von Hessen-Süd beschwören, rief Schäfer-Gümbel gestern aus: „Jetzt erst recht.“ Viel anderes blieb ihm nicht übrig als Kandidat von Ypsilantis Gnaden.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.-Greser&Lenz

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