Glosse Politik

Flammen in Kinshasa

21. November 2006 nbu. In einer Woche will die EU ihre Truppen aus Kongo abziehen. Vor allem der deutsche Verteidigungsminister hat sich dafür eingesetzt, weil er den Soldaten schon vor langer Zeit versprochen hat, daß sie Weihnachten zu Hause feiern können. Vielleicht wird man über diesen Termin noch einmal nachdenken müssen, denn stabil sind die Verhältnisse in dem zentralafrikanischen Land noch nicht. Am Dienstag sind Teile jenes Gerichts in der Hauptstadt Kinshasa in Flammen aufgegangen, das über die Wahlanfechtung durch den unterlegenen Kandidaten Bemba befinden soll. Ruhe konnte offenbar erst wiederhergestellt werden, nachdem Einheiten der internationalen Friedenstruppe aufmarschiert waren. Wie oft in Kongo sind die Hintergründe solcher Aktionen nicht auf Anhieb zu durchschauen. Sie lassen aber an Bembas Beteuerung zweifeln, er wolle nicht mit Gewalt gegen seine Niederlage vorgehen. Der Vorfall zeigt, daß der eindeutige Wahlsieg Kabilas nicht gereicht hat, um dem Land jenen inneren Frieden zu bescheren, für den die UN viel Geld und Personal aufgewandt haben. Schnelle Erfolge gibt es in Afrika nie, auch wenn sie dem europäischen Steuerzahler lieber wären.



Text: F.A.Z., 22.11.2006, Nr. 272 / Seite 12