Sunnitisch-schiitische Kämpfe

Gespaltener Libanon

Von Wolfgang Günter Lerch

09. Mai 2008 Seit 1990 ist der Libanon wieder aufgebaut worden, doch nun droht er aufs Neue verwüstet zu werden. Zumindest in der Hauptstadt Beirut, wo die schiitische Hizbullah ("Partei Gottes") einen Teil der muslimischen Viertel erobert haben will, wird man sich an den grausamen Bürgerkrieg zwischen 1975 und 1990 erinnert fühlen.

Was vor Monaten als Regierungs- und Präsidentenkrise begann, ist zu einem erbitterten Machtkampf zweier Lager geworden, der durch Einflüsse von außen angeheizt wird. Das ist das Schicksal des Libanon, in dem schon immer die religiösen Minderheiten der Christen, Sunniten, Schiiten und Drusen die Konflikte der Nachbarstaaten austrugen.

Syrien, Iran und Saudi-Arabien sind gegenwärtig die Hauptbeteiligten in der Region. Vor allem der schiitisch-sunnitische Gegensatz, durch den Irak-Krieg verschärft, macht sich nun unheilvoll bemerkbar. Möglich ist das unter anderem, weil es den Libanesen selbst niemals gelungen ist, einen akzeptablen Konsens darüber herzustellen, was ihr Land sei und wem es gehöre.



Text: F.A.Z.