Eine treffende Analyse und ein passender Vergleich mit den Vorwahlen in USA.
Das macht eben den Unterschied, dass das Volk erst gar nicht gefragt wird und so dennoch als Alibi missbraucht wird. Darauf werden sich alle Scheindemokraten später berufen, es als Gewohnheitsrecht und zweckdienliche "Volksdemokratie" in die Geschichtsbücher schreiben. Perestroika und Glasnost a la Gorbatschow hat nie eine Chance gehabt und so wird es auch bleiben, eine zaristisch geprägte Herrschaft von selbst in den Adelsstand erhobenen Führern auf Lebenszeit.
vor 10 Jahren undenkbar, daß die FAZ sich am gedankenlosen Übernehmen von Euphemismen beteiligt. Sprache schafft ja schließlich Wirklichkeit. Eine "gelenkte" Demokratie ist nicht nur ein Oxymoron, sondern verschafft einer brutalen Diktatur den Anstrich einer rechtsstaatlichen Zivilgesellschaft. Demnächst lesen wir dann sicherlich, daß Russland halt eine besondere Regierungsform benötigt. Demokratie-Relativismus in der ehemals besten europäischen Tageszeitung ist ein schlimmes Omen.
Ich glaube, daß die meisten russischen Bürger Ihren Kommentar mit einem verständnislosen Kopfschütteln quittieren würden. Seit Putins Amtsantritt hat sich der Reallohn in Rußland verdoppelt. Durch die hohen Öleinnahmen wurde die Staatskasse erheblich aufgefüllt (siehe: Andres Männicke, Rußland-Experte). Das kommt nicht nur der Aufrüstung (leider angesichts der militärischen Umziegelung notwendig, siehe auch : Peter Scholl-Latour, Rußland im Zangengriff), sondern auch dem russischen Volke im allgemeinen zugute. Der Westen nimmt Putin sehr übel, daß seine Einflußnahme (wie zu Zeiten des bestechlichen Jelzins) sehr gering geworden ist, wodurch die Russiche Föderation allerdings gestärkt wurde. Deutschland sollte sich lieber für eine eigenständige Politik gegenüber Rußland entscheiden, denn Ihre Interessen decken sich nicht mit dem Hegemoniestreben der USA.
Alles übrige hat mein Vorgänger schon geschrieben - dem ist nicht zuzufügen!!!
Es ist nicht Putins autoritäres System, lieber Herr Frankenberger. Dieses System entspricht dem jetzigen Entwicklungsstand der russischen Bevölkerung. Deshalb muss ich konstatieren, dass Sie die Begründung für Ihr "Beiseitelassen der russischen Traditionen und Erfahrungen" schuldig geblieben sind. Die internationale Zivilgesellschaft in westlichen Demokratien urteilt über Russland mit eigenen Maßstäben. Das ist verständlich. Doch hier muss man mit den Maßstäben der russischen Bevölkerung urteilen. Und vor diesem Hintergrund sieht die politische und gesellschaftliche Entwicklung in Russland gar nicht mal so schlecht aus.
Mit Ihrem Verweis auf die USA wollen Sie doch hoffentlich nicht behaupten, dass die Wahlen in den USA demokratisch einwandfrei verlaufen? Darf ich Sie an den Casus Florida erinnern? Lassen wir doch lieber diese Vergleiche weg...sie verleiten sowieso nur zu falschen Urteilen. Betrachten wir lieber die russische Bevölkerung mit ihren Erfahrungen, Ängsten, Erwartungen und Fähigkeiten.
