25. Oktober 2007 Zwei vielbeachtete Ausstellungen waren im vergangenen Jahr ethnischen Säuberungen“ im Europa des 20. Jahrhunderts gewidmet. In Berlin waren sie sogar gleichzeitig und fast nebeneinander zu sehen. Die des Bonner Hauses der Geschichte erregte keinerlei Anstoß, obwohl sie eindeutig auf das Schicksal der vertriebenen Deutschen konzentriert war. Die sehr viel bescheidenere Ausstellung Erzwungene Wege“ wurde stets als umstritten“ bezeichnet, obwohl sie stärker herausarbeitete, dass die Vertreibung der Deutschen zwar das umfassendste, jedoch keineswegs das einzige Völkerrechtsverbrechen dieser Art gewesen ist.
Umstritten waren und sind nur die Veranstalter dieser zweiten Veranstaltung: Die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, und ihre Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen“. Der SPD-Abgeordnete Meckel fasste seine Ablehnung in die Worte: Der BdV ist dafür nicht qualifiziert.“ Merkwürdig, welche Kaltschnäuzigkeit eine sonst in Betroffenheitsritualen schwelgende Linke gegenüber Leidtragenden des eigenen Volks an den Tag legen kann.
Keine unüberwindlichen Vorurteile
Dieselbe unüberwindliche Abneigung sprach am Mittwoch aus der Mitteilung des Bundestagsvizepräsidenten Thierse, der Bund der Vertriebenen sei an dem Projekt, das die Bundesregierung nun verwirkliche, nicht beteiligt. Das war voreilig. Selbstverständlich werden Vertreter der Vertriebenenverbände dem Beirat der staatlichen Stiftung angehören, deren Errichtung sich die Bundesregierung nun endlich nähert.
Die BdV-Vorsitzende hatte denn auch allen Grund zur Freude: Ihre Intention war es von Anfang an, dass nicht eine private Stiftung das Gedenken an die Vertreibungen übernimmt, sondern dass sich der Staat Deutschland zu dieser Geschichte und zu seiner Verantwortung für die Vertriebenen bekennt.
Unüberwindlich sind auch die Vorurteile nicht, die im In- und Ausland, besonders in Polen, gegen dieses Projekt bestehen. Wenn Deutschland wirklich den vielfältigen Verdächtigungen entgegentreten will, eigenes Leid gegen eigene Untaten aufrechnen zu wollen, Folgen des Kriegs mit seinen Ursachen zu verwechseln oder gar den Holocaust relativieren zu wollen, dann muss es geradezu dieses Zentrum errichten. Nicht nur im Umgang mit eigenen Verbrechen, sondern auch in dem mit unseren Opfern können wir zeigen, dass wir unsere Lektionen aus der Geschichte gelernt haben.
Text: F.A.Z.
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