CSU

Im Jahr eins nach Stoiber

Von Berthold Kohler

27. März 2008 Nun bleibt der Münchner Hauptbahnhof doch Hauptbahnhof und wird nicht zum Flughafen - falls es das war, was uns der damalige bayerische Ministerpräsident Stoiber mit seinen schon legendären Ausführungen zu seinem Lieblingsprojekt sagen wollte. Ganz nebenbei wird er vielleicht auch gemeint haben wollen, dass der Hauptbahnhofflughafen ein respektables Denkmal abgäbe mitten in München, wo doch Straußens weit draußen im Erdinger Moos steht. Doch der Bahnhof bleibt Bahnhof und Stoiber bis auf weiteres ohne Monument, das seinen Namen verdiente.

Der Transrapid ist, mit Stoiber gesprochen, vom Schad- zum Problemzug geworden und nun, um Gefahren von den Staatshaushalten Bayerns und Deutschlands abzuwenden, kurzerhand abgeschossen worden. Damit scheiterte der dritte Versuch, der Magnetschwebebahn im Land seiner Erfinder zum Durchbruch zu verhelfen. Das Thema dürfte in Deutschland endgültig erledigt sein. Nicht wenige in der CSU werden hoffen, dass das auch für Bayern gilt, und zwar sofort.

Bei Gegenwind selten souverän

Denn auch die wütenden Worte über die Bauunternehmen, die sich nicht an ihre Kostenvoranschläge gehalten hätten (welch Neuigkeit), können nicht vergessen machen, wer der politische Fürsprecher dieses im Freistaat wenig beliebten Vorhabens war. Zwar hatte die Begeisterung der CSU für den Transrapid nach Stoibers Abgang spürbar nachgelassen. Doch schulterten Beckstein und Huber auch diese Erblast, ohne sie selbst wirklich im Griff zu haben.

Ob Landesbank-Affäre, Aktion rauchfreies Wirtshaus oder Kostenexplosion der magnetischen Träume: Selten sahen die neue CSU-Führung und die neue Staatsregierung bei Gegenwind souverän aus. Ihre Nervosität angesichts der heraufziehenden Landtagswahl können die CSU-Oberen - siehe zuletzt Hubers Vorstoß zur Pendlerpauschale - dagegen kaum noch verbergen. Der früher meist verlässliche Sinn der CSU für das, was das Volk von ihr erwartet, scheint sich zu ihrem eigenen Entsetzen getrübt zu haben. Oder hatte sie sich auch beim Pulsnehmen mehr auf Stoiber und dessen zunehmend kritisierte einsame Entscheidungen verlassen, als es ihr selbst bewusst war?

Sein Transrapid-Vermächtnis ist die CSU jetzt los, ihr schlechtes Erscheinungsbild im Jahr eins nach Edmund nicht. In Bayern hat die Partei an Standfestigkeit verloren, in Berlin an Einfluss. Da gibt es viel zu tun bis zum Herbst, selbst für eine Doppelspitze.



Text: F.A.Z.

 

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