Islamkonferenz

Als Deutsche loyal zur Türkei?

Von Georg Paul Hefty

Erdogan: „Sie sollen gegenüber beiden (Ländern) loyal sein”

Erdogan: „Sie sollen gegenüber beiden (Ländern) loyal sein”

13. März 2008 Zwei Nachrichten, die zufällig auf denselben Tag fallen: In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bedauert der türkische Ministerpräsident, dass die Bundeskanzlerin nicht mit ihm zusammen in der Köln-Arena aufgetreten sei. In der Wochenzeitung „Die Zeit“ kündet eine Umfrage davon, dass 85 Prozent der deutschen Staatsangehörigen türkischer Herkunft sich nicht von der Bundeskanzlerin vertreten fühlten und dass von den in Deutschland lebenden Türken 78 Prozent nicht glaubten, dass die Kanzlerin auch ihre Kanzlerin sei.

Man stelle sich unter diesen Umständen vor, wie Frau Merkel in der Arena aufgenommen worden - und welch eine monströse Geste daraus geworden wäre, wenn der türkische Ministerpräsident die deutsche Kanzlerin mitten in Deutschland gegen die Misstrauensbekundungen von 20.000 Menschen in Schutz genommen hätte. Ein solcher gemeinsamer Auftritt würde auch in Zukunft nicht so werden, wie es etwa die von de Gaulle und Adenauer, gleich ob in Deutschland oder in Frankreich, gewesen waren.

Erdogans Verständnis von Einbürgerung

Die Rechtfertigung für diese Voraussage liefert ebenfalls Erdogan. Er antwortet auf die Frage, gegenüber welchem Staat die 800.000 eingebürgerten Deutschen mit türkischem Migrationshintergrund loyal sein sollten, klipp und klar: „Im Grunde sollten sie gegenüber beiden (Ländern) loyal sein.“ Das allerdings ist ein international neues Verständnis von Einbürgerung: Aus Erdogans Sicht bleiben die Türken durch ihre deutsche Staatsangehörigkeit weiterhin türkische Bürger.

Die Bundesregierung könnte dies großzügig übergehen und sich der Überzeugung hingeben, die Eingebürgerten hätten mit ihrer Unterschrift Deutschland ihre Loyalität erklärt. Doch in Wahrheit zieht die Regierung nicht diesen Trennungsstrich, sondern verhandelt zum Beispiel in der „Islamkonferenz“ ohne Unterschied zwischen deutschen und ausländischen Muslimen über alle Muslime in Deutschland mit Verbänden, die zumindest zum Teil vom türkischen Staat gesteuert werden.

Die Geheimhaltung dieser Verhandlungen schwächt die Position der deutschen wie auch der Muslime aus Drittstaaten. Deutschland, das Land des Protestantismus (der auch keinen Vatikan, also keinen ausländischen Ankerpunkt, kennt), hat noch nicht den Weg gefunden, wie es das religiöse Leben seiner muslimischen Bürger ohne Mitsprache aus dem Ausland gewährleisten und ordnen kann.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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