25. Januar 2006 pes. Es ist nicht die oberste Aufgabe eines Unternehmens, irgendwo auf der Welt für die Durchsetzung der Menschenrechte zu sorgen. Es ist auch nicht zu empfehlen, jede Internetseite ungeprüft jedem (zumal Minderjährigen) zugänglich zu machen. Aber das, was der Internet-Suchmaschinenanbieter Google jetzt in China veranstaltet, ist von ganz anderer Qualität. Das Unternehmen schließt sich der "Sorge" der chinesischen Regierung um deren Mitbürger an. Die sollen nämlich über Tibet, den 4.Juni 1989, über Menschenrechtsfragen allgemein aus dem Internet nichts erfahren. Weil das zum Beispiel im Online-Dienst der BBC nicht gewährleistet ist, wird Google die BBC-Nachrichtenseiten seinen chinesischen Kunden vorenthalten. Überhaupt besorgt die Suchmaschine das Geschäft der Zensurbehörden gleich selbst, indem sie unliebsame Inhalte aktiv herausfiltert. Dies beschämend zu nennen ist eine Untertreibung. Daß Google in dieser Hinsicht nur dem schlechten Beispiel seiner Konkurrenten folgt, macht die Sache nicht besser. Die chinesische Regierung lernt daraus, daß sie nur hartnäckig genug sein muß, damit ihr das Ausland in vorauseilendem Gehorsam entgegenkommt.
Text: F.A.Z., 26.01.2006, Nr. 22 / Seite 12