
Wenn es sich um eine "deutsche Zeitschrift" handelte, müßte der Ttel lauten: "Unsere Stunde - die Stunde der Deutschen".

Zweifellos herrscht nach wie vor sowohl im Volk als auch in der Politik eine gewisse Verklemmtheit in Bezug zur deutschen Nation vor.
Doch ist der Bau des Einheitsdenkmals ein Schritt in die richtige Richtung, der dazu führen wird, das sich das Verhältnis zur Nation weiter entkrampft. Das Fahnenmeer im vergangenen Sommer war bereits ein deutliches Zeichen für diese Entwicklung.
Deutschland hat die Chance, endlich ein ganz normales Land zu werden.
Wenn das Denkmal erst einmal steht, sollte überlegt werden, ob man den Tag der Deutschen Einheit nicht jedes Jahr in Berlin begehen sollte und nicht, wie bisher, immer in einem anderen Bundesland.
Das Einheitsdenkmal in Berlin könnte am Nationalfeiertag eine zentrale Rolle spielen.

Für mich ist der 9. November der nationale Feiertag. Nicht nur zum Spazierengehen, sondern um daran zu denken, wie sehr es an den Menschen in einer Nation selbst liegt, z.B. höchstes Glück durch Freiheit (1989) oder größtes Unglück durch zunehmende Intoleranz und Unmenschlichkeit (1938) zu erfahren. Aber Demokratie ist zur Zeit ja immer noch nur Parteibuch-Demokratie, nicht nur in Deutschland.

Die Westdeutschen haben ihre Dekadenz lediglich nach Osten exportiert und die Ostdeutschen haben sich (mehrheitlich) blenden und korrumpieren lassen.
Der bauliche Zustand der Staedte in Ostdeutschland spiegelt dieses Riesenfiasco wieder: Die Verfallserscheinungen springen dem Besucher ins Auge:sterbende Staedte. Spaetestens Mitte des kommenden Jahrzehnts wird offenkundig werden, dass diese Investitionen vergebens waren. 'Rueckbau' heisst die naechtse Herausforderung in der Fachsprache der Ingenieure. Die Stunde der Ingenieure - und der Historiker, die analysieren werden, warum die Deutschen unfaehig waren, ihre geschichtliche Chance zu nutzen.

Wie schwer geschädigt muß ein Volk, eine Politikerkaste sein, an einem solchen Tag, dem Tag des Mauerfalls im Bundestag dieses Ergeignisses zu GEDENKEN.
Wäre es nicht logisch, menschlich normal, an diesem Tage zu feiern, aber wenn es sein soll, auch der Opfer zu gedenken.
Nur auf diese Reihenfolge, auf diese Wertigkeit lege ich hohen Wert. Doch dazu sind wir, wie glaube ich nicht fähig.
Widerlich!