Von Berthold Kohler
13. April 2008 Die Bundeskanzlerin will den Dalai Lama wiedersehen. Zwar nicht schon im Mai, wenn er nach Deutschland kommt, denn dann hält sich Frau Merkel, wie es der Zufall so will, gerade in Südamerika auf. Es wäre ohnehin nicht ratsam, Öl in das olympische Feuer zu gießen, jetzt, da es so viele zu löschen versuchen. Am Ende hieße es im aufgewühlten Peking noch, hinter dem Aufruhr in Tibet stehe gar nicht der Dalai Lama.
Ein weiteres Treffen zwischen ihm und der Kanzlerin soll es aber auch nicht erst im nächsten Leben geben. Damit hat Frau Merkel den Chinesen noch einmal verdeutlicht, dass deren Proteste nach dem Besuch des Tibeters im Kanzleramt nicht das letzte Wort in dieser Sache waren. Die Menschenrechte bleiben auch im Verhältnis zu Großmächten wie China auf der Agenda der Kanzlerin, selbst wenn das Ärger nicht nur auf diesem Gebiet bedeutet.
Nebenbei erfährt der sozialdemokratische Außenminister, dass auch sein Zähneknirschen wirkungslos war. Das Auswärtige Amt wird schon wieder nach dem Knopf schielen, mit dem es die Alarmstufe Gelb auslöst.
Text: F.A.Z.