Von Christiane Hoffmann
19. Juli 2008 Ist die Zeit wirklich reif für einen Durchbruch? Eine kleine Revolution ist das allemal: Erstmals hat am Samstag in Genf mit William Burns ein ranghoher amerikanischer Vertreter an den Gesprächen über das iranische Atomprogramm teilgenommen. Gleichzeitig ist die Rede davon, dass Washington fast 30 Jahre nach der Besetzung seiner Botschaft durch iranische Revolutionäre wieder eine eigene Interessenvertretung in Teheran eröffnen könnte. Das sind bedeutende Änderungen, so sehr die amerikanische Regierung auch das Gegenteil beteuern mag.
Mit den Gesprächen in Genf ist Iran seinem Ziel noch ein Stück näher gekommen. Man spricht, ohne dass Teheran auf die Vorbedingung eingegangen wäre: seine Urananreicherung auszusetzen. In seiner Antwort auf das jüngste Angebot der internationalen Gemeinschaft erlaubte es sich Außenminister Manuchehr Mottaki sogar, diese Forderung gänzlich zu ignorieren.
Beginn einer neuen Politik?
Für die Wende in Washington sind viele Gründe denkbar. Sie könnte dem Wahlkampf geschuldet sein, in dem man so Barack Obama und seiner uneingeschränkten Gesprächsbereitschaft den Wind aus den Segeln nehmen kann. Noch ist nicht klar, ob sie nur ein kurzfristiger Sieg des State Department über ein gelähmtes Weißes Haus ist oder der Beginn einer neuen Politik. Bemerkenswert war vor einer Woche der Bericht von William Burns vor dem Senat, in dem mit keinem Wort mehr von einem Regimewechsel in Iran die Rede war, sondern nur noch vom Wechsel des iranischen Verhaltens“. Ziel amerikanischer Politik sei es, Iran als konstruktiven Partner in der Region“ zu gewinnen.
Vorsicht bleibt geboten
Etwas gemäßigtere Töne, die aus Teheran zu vernehmen waren, müssen keineswegs mehr anzeigen als das hinlänglich bekannte Geschick der Iraner, die Temperatur zu senken, wenn der Konflikt zu heiß zu werden droht. Das war mit der neuerlichen Diskussion über israelische oder amerikanische Militärschläge gerade der Fall. Vielleicht aber öffnet sich tatsächlich eines der berühmten Fenster der Gelegenheit“. Für Teheran, das sich in einer Position der Stärke sieht, könnte eine Einigung attraktiver werden als die andauernde Konfrontation. Ein Fortschritt ist zweifellos, dass man sich dem Kern des Konflikts nähert: den amerikanisch-iranischen Beziehungen.
Text: F.A.Z.
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