31. Mai 2007 bko. Diese Botschaft war Putin so wichtig, dass er sie selbst an das geneigte Publikum im Westen bringen wollte: Am Bau der neuen Atomraketen, die Moskau jetzt voller Stolz vorführte, sei Amerika schuld. Wenigstens den Deutschen musste er nicht lange erläutern, warum ein begrenztes nichtnukleares Defensivsystem gegen Projektile aus dem Mittleren Osten den Kreml zur Aufrüstung seiner strategischen Offensivwaffen zwingen soll. Denn Deutschland fürchtete sich schon vor der Nachrüstungsdebatte viel lieber vor amerikanischen Raketen und Absichten als vor (neo-)sowjetischen. Aber nicht nur ein gutes Gedächtnis, auch die Fähigkeit zur Vorausschau zählt zu Putins Stärken. So kann Moskau schon seine schönen modernen Raketen verschießen und laut über deren neue Ziele an Weichsel und Moldau nachdenken, während Washington noch nicht einmal Stationierungszusagen aus Warschau und Prag hat. Gleichwohl besteht Hoffnung, dass Putin wenigstens bei Tschechen und Polen nicht gelingt, was ihm in Deutschland allzu leicht fällt: den wiedererwachten Herrschaftsanspruch des Kremls über Mittel- und Osteuropa als einen Akt der höheren weltpolitischen Gerechtigkeit zu verkaufen.
Text: F.A.Z., 01.06.2007, Nr. 125 / Seite 12