Erzbischof Zollitsch folgt Lehmann

Umsichtige und kluge Wahl

Von Daniel Deckers

Zollitsch folgt Lehmann: “Aufbruch im Umbruch“

Zollitsch folgt Lehmann: "Aufbruch im Umbruch"

12. Februar 2008 Einundzwanzig Jahre an der Spitze einer Bischofskonferenz sind eine lange Zeit - für manche eine zu lange. Selbst eine Amtszeit von sechs Jahren geht dem Vatikan eigentlich zu weit. Dort hält man es lieber mit der urrömischen Maxime: Teile und herrsche. Denn wo käme die Kirche hin, wenn nicht der Papst durch die Auswahl der Bischöfe und Kardinäle den Kurs bestimmt, sondern die Bischöfe eines Landes durch demokratische Wahl einen der Ihren für lange Zeit zu ihrem Repräsentanten machen?

Nur dem Eigensinn der katholischen Kirche in Deutschland ist es zu verdanken, dass anders als überall sonst in der Welt in den meisten Diözesen das Domkapitel das Recht hat, aus einer vom Papst vorgegebenen Dreierliste einen Bischof zu wählen.

Zudem hat die Bischofskonferenz bislang jedes Ansinnen aus dem Vatikan ignoriert, die Amtszeit ihres Vorsitzenden auf drei Jahre zu begrenzen und die Möglichkeit der Wiederwahl zu beschränken. Schlecht gefahren sind die Bischöfe in Deutschland damit nicht. Ob Julius Kardinal Döpfner, Joseph Kardinal Höffner oder zuletzt Karl Kardinal Lehmann - alle drei vermochten der Kirche in Deutschland nach innen wie nach außen ein Gesicht und eine Stimme zu geben.

Freilich zeigt die Wahl des Freiburger Erzbischofs Zollitsch als Nachfolger Lehmanns an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz, dass die Bischöfe von ihren Möglichkeiten nicht selbstherrlich, sondern umsichtig und klug Gebrauch machen. Nach dem Ende der einen Ära war ihnen daran gelegen, nicht gleich mit dem 54 Jahre alten Münchner Erzbischof Marx eine neue beginnen zu lassen.

Stattdessen vertrauten sie den Vorsitz einem der Erfahrensten an, einem, der als Verantwortlicher für die Priesterausbildung, als Personalchef eines großen Erzbistums und als Erzbischof alle Höhen und Tiefen der katholischen Kirche erlebt hat, ohne darüber zu resignieren. Vielmehr hat Zollitsch getreu seiner Maxime "Aufbruch im Umbruch" Akzente gesetzt, die das Erzbistum Freiburg auf vielen Feldern als geradezu vorbildlich erscheinen lassen. Dieser optimistische Grundton dürfte auch jenseits von Baden schon bald ein Echo finden - bis nach Rom. Dort freut man sich trotzdem darauf, dass in sechs Jahren in Deutschland abermals ein neuer Vorsitzender zu wählen ist.

Text: F.A.Z., 13.02.2008, Nr. 37 / Seite 1
Bildmaterial: dpa

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