„Wahlsieger“ Mugabe in Zimbabwe

Die Ohnmacht der Welt

Von Peter Sturm

Erst wenn Mugabe Zimbabwe völlig ruiniert ist, erfolgt der Ruf nach dem Westen

Erst wenn Mugabe Zimbabwe völlig ruiniert ist, erfolgt der Ruf nach dem Westen

29. Juni 2008 Wenn es um Kritik an der sogenannten Wahl in Zimbabwe geht, lässt Großbritannien sich in diesen Tagen von keinem anderen Staat übertrumpfen. Der britische Löwe brüllt fast genau so eindrucksvoll wie einst, als die ganze Welt vor ihm und seiner Macht erzitterte.

Wie es inzwischen um Letztere bestellt ist, zeigte sich erst vor ein paar Tagen. Ihrer Majestät Regierung veranlasste Königin Elisabeth II., dem zimbabwischen Diktator Mugabe die Ritterwürde zu entziehen. Der so Gemaßregelte zeigte sich allerdings wenig beeindruckt. Er erklärte sich zum Sieger einer „Wahl“, die sogar den afrikanischen Nachbarn nicht geheuer war. Warum sollte sich Mugabe auch um Schelte aus Europa kümmern? Er weiß doch, dass ihm von dort keine Gefahr droht.

Ein Präzedenzfall?

Die Vereinten Nationen, einst mit bestem Willen als Weltverbesserungsorganisation gegründet, erweisen sich ein weiteres Mal als machtlos, weil wichtige Mitgliedstaaten ein kraftvolles Vorgehen gegen Mugabe nicht wünschen.

Südafrika verfolgt im Nachbarland eigene Interessen. Und Russland und China fürchten, Zimbabwe könne zu einem Präzedenzfall für „Einmischung in innere Angelegenheiten“ werden. Also geschieht nichts. Die Lage im Land wird unterdessen immer schlimmer. Afrika, das jetzt demonstrieren könnte, dass es in der Lage ist, sich um seine Angelegenheiten selbst zu kümmern, scheint sich diese Chance abermals entgehen lassen zu wollen.

Positive Lehren?

Wenn Mugabe eines Tages nicht mehr Präsident und Zimbabwe völlig ruiniert ist, dann wird man wieder nach dem Westen rufen. Zum Aufsammeln der Scherben sind die angeblichen Ausbeuter aus Europa und Nordamerika allemal gut genug.

Wenn man dann sicher sein könnte, dass aus dem schlimmen Schicksal Zimbabwes positive Lehren für andere Länder gezogen werden, wäre die Lage weniger deprimierend. Zu erwarten ist das allerdings nicht. Vielmehr wird es wahrscheinlich so kommen, dass allzu viele in allzu vielen Ländern Afrikas weiter falschen Freunden nachlaufen werden.

Europa und Amerika können das nicht verhindern. Sie sollten es auch nicht versuchen. Zwar haben sie zu ihrem Ansehensverlust in der sogenannten Dritten Welt selbst beigetragen. Aber die Einsicht, dass nicht alle Übel dieser Welt im Kolonialismus begründet sind, muss im Süden der Welt von alleine wachsen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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