30. November 2007 Es fällt schwer zu glauben, dass in zweitausend Jahren Christentumsgeschichte nicht schon alles über Glaube, Hoffnung und Liebe gesagt worden wäre, was zu sagen ist. Noch schwerer fällt es zu hoffen, dass sich im Zeitalter des gedruckten Wortes die Kirche nicht länger an der inflationären Verbreitung mehr oder weniger weiser Weisheiten beteiligen möge. Schließlich ist mittlerweile nicht nur fast alles gesagt, sondern auch von fast jedem.
Papst Benedikt XVI. hat sich dennoch nicht für das Schweigen entschieden - er hat gut daran getan. Denn schon das erste Rundschreiben des deutschen Theologen Joseph Ratzinger als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche hatte einen einmaligen, unnachahmlichen Ton. Wie der Papst menschliche Sehnsucht, philosophische Anthropologie und theologische Gewissheiten zu einem Hohelied der Liebe Gottes zu den Menschen und der Liebe der Menschen untereinander verband, ist nicht nur in der jüngeren zeitgenössischen Theologie ohne Beispiel.
Wie er den Christen den Glauben vorlegt, lässt hoffen
Und wer wie Benedikt im Neuen Testament und in den Texten der Kirchenväter beheimatet ist, der braucht weder um Descartes noch um Nietzsche einen Bogen zu machen und erst recht keine Auseinandersetzung mit den geistigen Strömungen der Gegenwart zu scheuen. Als ob es mit einer Enzyklika über einen Begriff aus der Mitte des Glaubens nicht schon getan wäre, hat der Papst nun nach der Liebe die Hoffnung zum Thema gemacht.
Mit der gleichen Verve, in derselben eleganten, leichten Sprache dasselbe Ziel vor Augen: einer westlichen, müden Christenheit die Augen zu öffnen für die versunkenen Schätze, die sie hütet. Benedikt wäre nicht Benedikt, stellte er sich nicht den heikelsten, die Denk- und Sprachfähigkeit jedes Christen an ihre Grenzen treibenden Themen: Ewiges Leben? Hölle? Fegefeuer? Gerechtigkeit auch für die Opfer der Geschichte? Mit weniger elementaren Fragen gibt sich dieser Papst nicht ab.
Unter den vielen Titeln, die dem Kirchenoberhaupt zukommen, ist auch der des Dieners der Diener Christi. Benedikt nimmt diese Überlieferung, wie so viele andere, beim Wort. Wie er den Christen den Glauben vorlegt und erschließt, lässt hoffen. Nicht nur für sie.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa