Sarkozy in Großbritannien

Im Dreieck Paris-London-Berlin

Von Günther Nonnenmacher

26. März 2008 Dreiecksbeziehungen sind eine schwierige Variante zwischenmenschlicher Beziehungen. Das gilt nicht nur für den privaten Verkehr, sondern auch in der Politik.

Immer wenn sich die Beziehungen zwischen den drei besonders Großen unter den Großen in der EU – zwischen Britannien, Frankreich und Deutschland – im Fluss befinden, kommt in der Diplomatie Eifersucht auf: Die Vorstellung, dass der Dritte betrogen werde, wenn sich die beiden anderen Partner näherkommen, ist nicht auszurotten. So wie ein gutes deutsch-französisches Verhältnis in London den Verdacht weckt, Britannien solle in Europa an den Rand gedrückt werden, so werden französisch-britische Treffen stets in die Nähe einer „Entente cordiale“ gerückt, mit deren Hilfe der deutsche Einfluss in der EU eingedämmt werden soll.

Sprunghaft und egozentrisch

Dabei ist ein Staatsbesuch wie der des französischen Präsidenten Sarkozy in London zunächst nicht viel mehr als ein zeremonielles (teilweise auch mondänes) Ereignis. Seine politische Brisanz bezieht er daraus, dass das Verhältnis zwischen Paris und Berlin auch fast ein Jahr nach der Wahl Sarkozys noch keine feste Form gefunden hat.

Den deutschen Partnern kommt die Außenpolitik des neuen Präsidenten sprunghaft und egozentrisch vor: Vieles wurde begonnen – etwa die Neubestimmung der Beziehungen zu Amerika und zur Nato oder diverse Initiativen in der EU –, ohne das absehbar wäre, was daraus am Ende wird. Den Briten wird es übrigens nicht anders gehen: Auch sie versuchen, besser zu verstehen, was Sarkozy eigentlich will.

Im Herzen Europas

Da ist es nützlich, an Konstanten zu erinnern, die sich aus dem Verlauf des vergangenen halben Jahrhunderts ergeben, besonders im Blick auf die Europapolitik. Eine heißt, dass Britannien eine Insel bleibt und deshalb alle Versuche, das Land „in the heart of Europe“ zu verankern, wie einst Premierminister Major gefordert hatte, an der insularen Mentalität gescheitert sind. Hinzuzufügen ist sogleich, dass britische Europaskepsis und der damit verbundene Pragmatismus der EU letztlich nicht schlecht bekommen sind. Die zweite Konstante ist, dass das Herz Europas in den deutsch-französischen Beziehungen schlägt. Das mag heutzutage nicht mehr ausreichen, um die größere Union voranzubringen; aber ohne diesen Impuls würde die EU schlicht auseinanderfallen.

Text: F.A.Z.

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