18. November 2008 Bürgen leben gefährlich. Sie stehen für fremde Schulden ein, auf die sie keinen Einfluss haben. Über die besonderen Gefahren einer Bürgschaft ist schon jeder Banklehrling nach wenigen Monaten seiner Ausbildung genau informiert. So mancher Bürge weiß aus leidvoller Erfahrung, welch fatale Folgen es haben kann, für Schulden eines anderen einzustehen.
Eine Milliardenbürgschaft für Opel würde die Finanzkraft der Bundesrepublik Deutschland gewiss nicht erschüttern. Verglichen mit dem Notprogramm von 700 Milliarden Dollar für die amerikanischen Banken, aus dem jetzt auch die Autoindustrie jenseits des Atlantiks bedient werden soll, erscheint die Opel-Milliarde sogar eher bescheiden.
Wenn Opel huste, bekämen viele Autozulieferer eine Erkältung, ist von Politikern jener Bundesländer zu hören, in denen es Opel-Werke gibt. Und dann – das suggerieren diese wohlmeinenden Landespolitiker – wäre diese Milliarde doch nicht mehr als ein Hustensaft für ein Automobilunternehmen, dessen Erkältung sich schon bald in eine lebensgefährliche Lungenentzündung für die Lieferanten verwandeln könne.
Frühere Fehlentscheidungen nicht legitimieren
Der Krankheitsverlauf mag damit richtig beschrieben sein. Nur ist eine entscheidende Frage nicht beantwortet: Besteht bei dem Patienten überhaupt Aussicht auf Genesung? Zweifel sind berechtigt. Niemand weiß, ob die Bürgschaft nicht schneller fällig wird als gedacht. Politiker im Bund und in den Ländern können die Gefahr einer Pleite des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors, zu dem Opel seit achtzig Jahren gehört, nicht wirklich einschätzen.
Die Automanager in Detroit haben die deutsche Traditionsmarke durch jahrzehntelanges beispielloses Missmanagement an den Rand des Ruins gebracht. Sie allein sind dafür verantwortlich, den eigenen Konzern mit all seinen Tochtergesellschaften vor dem Untergang zu retten. Opel ist so eng mit General Motors verbunden, dass das Unternehmen kaum noch aus dem Verbund herauszulösen ist. Es gibt gemeinsame Plattformen, Opel entwickelt für Amerika und erhält Technologien und Modelle von Tochtergesellschaften aus Südkorea. Frühere Fehlentscheidungen von General Motors dürfen nicht nachträglich mit Steuergeldern aus Deutschland legitimiert werden. So bitter das für die 26.000 Opelaner am Ende auch sein mag.
Text: F.A.Z.