Serbien und die EU

Neue Töne aus Belgrad

Von Michael Martens

25. Juli 2008 Neue Töne aus Belgrad: Erst hat die neue Regierung den zuvor angeblich unauffindbaren mutmaßlichen Kriegsverbrecher Karadzic verhaftet, und nun deutet der serbische Außenminister Jeremic sogar Gesprächsbereitschaft im Streitfall Kosovo an. Grundsätzlich, versichert Jeremic, könne sich Serbien mit dem Gedanken einer europäischen Polizei- und Rechtsstaatsmission dort anfreunden - man müsse nur darüber reden.

Ein konkretes Angebot ist das noch nicht, zumal einige der Bedingungen, die der serbische Außenminister stellt, vollkommen unrealistisch sind. Die Gespräche, wenn es denn dazu kommt, könnten also auch ganz schnell wieder im Treibsand der Diplomatie versickern. Doch Serbiens Außenminister weiß nur zu gut, dass das Kosovo für Belgrad verloren ist.

Er darf das nur nicht öffentlich sagen. Wenn er jetzt indirekt Bereitschaft zum Dialog erkennen lässt, ist schon viel gewonnen. In der Endphase der Regierung Kostunica, der Jeremic freilich ebenfalls als Außenminister gedient hat, waren alle Brücken zerstört. Nun setzt Belgrad sie wieder instand, eine nach der anderen.



Text: F.A.Z.