08. Dezember 2006 Der Mord an dem ehemaligen russischen Geheimdienstler Litwinenko zeigt die Ingredienzen einer James-Bond-Geschichte - inklusive der Todesart durch radioaktive Verstrahlung. Daß jetzt nicht nur Scotland Yard wegen Mordes ermittelt, samt Recherchen in Moskau, sondern auch russische Staatsanwälte sich des Falles annehmen, trägt zu weiterer Verwirrung bei.
Mit der klassischen Kriminalistenfrage Cui bono? - wem nützt das Ganze? - kommt man nicht weiter. Da geriet von Anfang an die Kreml-Führung so offensichtlich ins Visier, daß man entweder große Dummheit oder ein hohes Maß an Unverfrorenheit in Moskau unterstellen mußte, etwa nach dem Motto Ist der Ruf erst ruiniert . . ..
Daraus ergab sich fast automatisch die entgegengesetzte Hypothese: Wer hätte den größten Nutzen davon, den Verdacht auf die gegenwärtige russische Führung zu lenken? Was da in London sichtbar wird, ist ein Exilanten-Geflecht von Geheimdienstleuten (nur ehemaligen?), Unabhängigkeitskämpfern, Oligarchen und kriminellen Strukturen mit ungeklärten Verbindungen. Litwinenkos Tod erfüllt alle Voraussetzungen, sich zu einem jener Fälle zu entwickeln, die nie ganz aufgeklärt werden.
Text: Nm. / Frankfurter Allgemeine Zeitung