Wolfgang Tiefensee

Denkmal an Freiheit!

Von Wolfgang Tiefensee

08. November 2007 Als vor wenigen Wochen die Bilder burmesischer Mönche um die Welt gingen, die friedlich und mit Gebeten gegen die in ihrem Land herrschende Militärdiktatur demonstrierten, da war die Erinnerung an den Herbst 1989 in der DDR wieder sehr präsent. Wieder das gleiche Schema: David gegen Goliath, Menschen gegen Machthaber. Eigentlich eine aussichtslose Situation. Und dennoch gibt es die Hoffnung auf Freiheit.

Burma und viele andere Länder und Regionen der Welt erinnern uns daran, dass Freiheit nicht selbstverständlich ist. Unsere eigene friedliche Revolution war erst erfolgreich, nachdem der 17. Juni scheiterte und Jahrzehnte des Stillstandes und Ausharrens ertragen werden mussten. Opfer gab es nicht nur durch den Schießbefehl an der Mauer und die Willkürjustiz in Bautzen. Die Opfer des unfreien Lebens sind ungezählt, weil das omnipräsente System vielen Lebenszeit und Lebenschancen geraubt hat.

Dabei ist der Blick häufig auf das Thema Staatssicherheit reduziert worden. In meiner Erinnerung an das Leben in der DDR finden sich jedoch auch ganz andere alltägliche Einschränkungen: dass das offene Wort gefährlich war, wir nicht lesen konnten, was wir wollten, das ungehinderte Reisen durch die Mauer versperrt wurde und dass der Staat immer besser zu wissen glaubte, was für seine Bürgerinnen und Bürger gut war.

Es sind jetzt genau 18 Jahre, seit die Mauer gefallen ist, seit die Menschen in der DDR auf friedlichem Wege das SED-Regime entmachtet und so den Weg zur Wiedervereinigung in Freiheit geebnet haben. Deshalb diskutieren wir jetzt mit Blick auf den 20. Jahrestag und auf vielen gesellschaftlichen Ebenen die Verwirklichung eines Einheits- und Freiheitsdenkmales in Berlin. Berlin ist dafür ein geeigneter Ort, denn hier verdichten sich viele Stränge deutscher Freiheitstraditionen.

Berlin kann aber nur ein Element sein. Friedensgebete und Demonstrationen gab es schließlich in vielen Städten. Von entscheidender Bedeutung war die friedliche Revolution in Leipzig, das Datum des 9. Oktober 1989. Die Montage in der Leipziger Nicolaikirche stehen als ein Symbol für den Aufbruch. Deshalb spreche ich mich für zwei herausragende Denkmale in Berlin und Leipzig aus, die einen Bezug zueinander haben.

Bürgerinitiativen, runde Tische und Stasi-Auflösungs-Komitees waren aber auch andernorts aktiv. Und die Hoffnung, Freiheit und Demokratie durchsetzen zu können, gab es nicht nur in Leipzig, Dresden und Berlin. Sie keimte im ganzen Land und bei den allermeisten Menschen.

Darum sollte in Vielfalt an vielen Orten unserer Republik an diese glücklichen Ereignisse erinnert werden. Die bereits bestehende Erinnerungskultur mahnt uns an die Zeit der Teilung und die Opfer des SED-Systems. Lokale Erinnerungsstätten für die friedliche Revolution sind eine notwendige Ergänzung. Sie stehen dafür, dass wir SED-Herrschaft und deutsche Teilung überwunden haben. Und sie mahnen auch, dass die Demokratie immer wieder gestärkt und verteidigt werden muss.

Woher nehmen die burmesischen Mönche ihren Mut? Warum glauben viele Menschen auf der koreanischen Halbinsel an eine Zukunft in Einheit? Woher kommt diese Hoffnung? Diese Hoffnung sind die Freiheitsbewegungen in aller Welt, und dazu gehören auch wir mit unserer Geschichte. Der 9. Oktober, der Tag der friedlichen Revolution, der 9. November, an dem wir die Mauer eingerissen haben, sind Daten, die für den Aufbruch zur Demokratie stehen.

Der Autor ist Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer.



Text: F.A.Z., 09.11.2007, Nr. 261 / Seite 12

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sportverletzung? Sorgen Sie vor - mehr Leistung für weniger Geld. Vergleichen Sie jetzt online die Leistungen verschiedener privater Krankenversicherungen!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche