„Opel-GM-Magna“

Kalt erwischt - gründlich blamiert

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Noch beim Treffen mit Obama schien es für die Kanzlerin ein Tag der ungetrübten Freude zu werden

Noch beim Treffen mit Obama schien es für die Kanzlerin ein Tag der ungetrübten Freude zu werden

04. November 2009 Wenn es nicht um die Zukunft Tausender Arbeitnehmer ginge, könnte lapidar festgestellt werden: So geht’s, wenn man partout mit dem Kopf durch die Wand will und ökonomische Einwände souverän beiseiteschiebt. Aber weil es eben auch um Tausende Arbeitsplätze bei Opel geht, werden die wenigsten über die letzte Volte in der General Motors/Opel-Saga in Verzückung geraten.

Und je nach Lesart wird man die Entscheidung des GM-Verwaltungsrats, Opel nun doch nicht zu verkaufen, als Affront gegen die Kanzlerin, als Brüskierung Deutschlands oder als Beleg dafür werten, wie es in Wahrheit um die deutsch-amerikanischen Beziehungen stehe. Oder als das, was sie vermutlich am ehesten ist: eine Entscheidung, bei der es allein um die globale Zukunft von General Motors geht.

Dass Frau Merkel bitter auf die Nachricht aus Detroit reagierte, Opel nun doch nicht dem kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna und der russischen Sberbank zu überlassen, ist nachzuvollziehen. Gerade hat sie im Kapitol in Washington die Hymne auf das deutsch-amerikanische Verhältnis geschmettert, und dann wird sie noch vor dem Abflug auf den kalten Boden der Tatsachen zurückgeholt, auf einen Boden übrigens, den vor Monaten ihr damaliger Wirtschaftsminister Guttenberg für so kalt nicht gehalten hatte: „Operation Magna“ gescheitert, weil es sich die neuen Leute in Detroit anders überlegt haben.

Ermutigt von der EU-Kommission:

Sie wurden darin möglicherweise sogar mittelbar ermutigt von der EU-Kommission, die mit der Rolle der deutschen Politik beim Verkauf an Magna alles andere als glücklich war. Hat die Regierung des Präsidenten Obama, den Frau Merkel noch am Morgen getroffen hatte – da war es um Weltpolitik gegangen –, ein falsches Spiel gespielt? Das ist möglich, aber nicht wahrscheinlich. Es hätte die entsprechenden Signale gegeben.

Jetzt schlagen in Deutschland die Wogen des Zorns hoch. Auch die russische Führung fühlt sich düpiert – von wegen Vertrauen, das man habe schaffen wollen. Wie immer die Opel-Geschichte ausgehen wird, so ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt festzustellen, dass Bund und beteiligte Länderregierungen mit der alles andere als unstrittigen Rettungsaktion gescheitert sind, auch weil sie nicht alleinige Herren des Verfahrens waren.

Mehr noch: Sie haben sich blamiert. Da hilft es nicht, dass Brüderle, Rüttgers oder Beck die Blamage mit Empörungsrhetorik zu kaschieren suchen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sportverletzung? Sorgen Sie vor - mehr Leistung für weniger Geld. Vergleichen Sie jetzt online die Leistungen verschiedener privater Krankenversicherungen!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche