
In der Regel versäumen es die Anhänger der diversen islamistischen
Sekten (Gülen-, Naksibendi-, Milligörüs-, Süleymanci-, Nurcu-,
Kaplansekte u.v.a.m) ebenso wie die Anhänger der PKK nie, in den
verschiedenen Internetforen über den Kemalismus herzuziehen. Erstere
träumen immer noch von der Größe des Osmanischen Reiches, in der
pan-islamischen Hoffnung, dadurch die weltweit desolaten Zustände der
Islamischen Länder und deren permanente Erniedrigung durch die
westlichen Ländern zu überwinden. Und die PKK, dies dürfte allseits
bekannt sein, strebt danach, einen großkurdischen Staat etablieren.
Es verwundert sehr, dass sich zu den oben Genannten auch noch die aus
der Türkei berichtenden Auslandskorrespondenten der bundesdeutschen
bürgerlichen Presse sowie andere Redakteure im Inland gesellen.Wollen
diese etwa die Zerstückelung der Türkei nach dem I. Weltkrieg
wiederherstellen, die durch Mustafa Kemal zunichte gemacht wurde? Oder
dient die Ausbeutung durch das westliche Kapital der Erschließung neuer
Märkte und der Kontrolle einer (aufgrund ihrer Nahtstelle zu den
Energiequellen) geopolitisch wichtigen Türkei. Wie sagte Erdogan so schön:
"Ich bin gerade dabei die Türkei zu vermarkten".

Ein bekanntes Zitat von Erdogan in dieser Richtung, das hier nicht fehlen sollte, ist das hier:
“Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.”
6. Dezember 1997, auf einer Wahlveranstaltung in der Türkei.

Nach der Lektüre dieses Leitartikels verstehe ich Herrn Lerchs innere Beweggründe für seine Türkei-Auffassungen besser. Ich glaube, er irrt an einem ganz wichtigen Punkt, der am Ende des Artikels steht: er hofft auf mehr Pluralismus und dadurch auf eine Schwächung des Fundamentalismus. Wer die Entwicklung in Deutschland, vor allem in Berlin, oder bei den Moscheenbauten und auf der Islamkonferenz verfolgt (von den Beispielen weltweit spreche ich gar nicht, auch nicht von den Angriffen des Islam auf andere Religionen) kann doch nur zu einem Schluss kommen. Der Islam versucht mit allen Mitteln die Gesellschaft zu infiltrieren, zu unterminieren und er macht dies so geschickt, daß mir sogar um Herrn Schäuble bange wird. Sieht er nicht, wie da Leute mit Tricks, Lügen und Hinhalterei ihre Scharia gesellschaftsfähig machen wollen?
Her Lerch kritisiert alte Muster des Kemalismus. Diese Kritik mag richtig sein, aber die Politik der AKP in der Türkei lässt sich nicht gegen dessen Fehler aufrechnen. Man beachte die Leserbriefe an Herrn Lerch in den letzten Monaten. Wird etwa Pluralismus befördert, wenn Frauen ohne Kopftuch ihre Stelle verlieren?
Herrn Lerchs Hoffnungen sind mir ein Rätsel.