Deutsch-amerikanisches Verhältnis

Im Herzen Berlins

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Wer Sinn für Symbole und historisches Pathos hat, der ist am Freitag in der Hauptstadt reichlich bedacht worden: Am 4. Juli, am amerikanischen Nationalfeiertag, ist die neue Botschaft der Vereinigten Staaten feierlich eingeweiht worden, im Herzen Berlins, am Potsdamer Platz, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Brandenburger Tor – das nur deswegen offen ist, weil die damalige amerikanische Regierung den Prozess der deutschen Wiedervereinigung mit kluger Sympathie förderte und gegen die Einsprüche anderer abschirmte.

Wenn man so will, ist die Verbindung der beiden Staaten und Völker an diesem 4. Juli bekräftigt worden; die Rückkehr der Botschaft an ihren alten Platz bringt es zum Ausdruck. Und doch geht es eigentlich nicht um Rückkehr, Vergangenheit oder um Dankbarkeit, sondern um die Gegenwart und die Zukunft.

Zusammenstehen keine Selbstverständlichkeit

Es ist ein Gemeinplatz: Wenn Deutsche und Amerikaner zusammenstehen, dann sind nicht nur die atlantische Gemeinschaft oder die Union der Europäer im Lot oder auf gutem Wege, dann lassen sich auch die vielen großen und kleinen Gefahren und Bedrohungen – vom Terrorismus bis zur Energiesicherheit – eher meistern.

Dass dieses Zusammenstehen keine Selbstverständlichkeit ist, dass machtpolitische Selbstherrlichkeit auf der einen und moralische Selbstbezogenheit auf der anderen Seite sich bis zum offenen Zerwürfnis aufschaukeln können, das haben wir erst vor einigen Jahren erlebt. Da sah es schon so aus, als ob es zu bleibender Entfremdung und Zerrüttung kommen werde. Der Wille, das Gemeinsame über das Trennende zu stellen, hat das verhindert.

Die Vereinigten Staaten sind nach wie vor eine Weltmacht, Deutschland ist eine große Mittelmacht, eingebunden in die EU. Die Unterschiede sind groß. Und dennoch sind beide aufeinander angewiesen: Amerika, dem es ohne diesen europäischen Schlüsselpartner viel schwerer fällt, seine Ziele zu erreichen; Deutschland, weil es ohne amerikanisches Mittun seine ordnungspolitischen Vorstellungen nicht oder nur zum geringsten Teil verwirklichen kann, ob es nun um das Klima geht oder den Freihandel.

Wenn sich die deutsch-amerikanische Partnerschaft auch in der Zukunft bewährt, auch als Kern der atlantischen Gemeinschaft, dann wäre das nicht das Schlechteste, was uns und – das ist einmal nicht maßlos übertrieben – der Welt passieren kann.

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Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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