Glosse Politik

Im Kampf

28. August 2006 Nm. Die Frage, ob Soldaten der Bundeswehr über den - vergleichsweise - ruhigen Norden Afghanistans hinaus auch im Süden des Landes eingesetzt werden können, wo es Tag für Tag Kämpfe und Tote gibt, darunter auch westliche Soldaten, ist noch im Stadium der Theorie: Die Befugnisse des Isaf-Kommandeurs in Kabul zur Truppenverlegung werden von einer vorausliegenden politischen Absprache eingegrenzt, in der eine regionale Arbeitsteilung der Entsendestaaten vereinbart war. Dennoch könnten die Forderungen an Deutschland und die Bundeswehr in dem Maße dringlicher und konkreter werden, wie die Lage im Süden Afghanistans prekärer wird. Niemand wird den deutschen Soldaten Feigheit vorwerfen können. Aber wahr ist auch, daß die Afghanistan-Mission den Deutschen von der Politik mit dem besänftigenden Hinweis "verkauft" wurde, "unser" Teil des Landes sei ruhig - in Kongo wurde das gleiche für den Einsatzort Kinshasa behauptet. Ob Afghanistan, Kongo oder Libanon: Soldaten werden dort nicht nur hingeschickt, um Schulen zu bauen oder Wahlen zu überwachen. Das Publikum muß wissen, daß sie dort täglich mit der realen Möglichkeit des Kämpfens konfrontiert sind.



Text: F.A.Z., 29.08.2006, Nr. 200 / Seite 10