Glosse Politik

Termin

24. Oktober 2006 K.F. Die Bundeswehr wird den Kongo-Einsatz fristgerecht zum 30. November beenden. Sagt der Verteidigungsminister. Aber vielleicht hat er die Rechnung ohne den Wirt gemacht - und zwar den in Paris. Der französische Präsident war nicht ganz unbeteiligt daran, daß die Kongo-Mission mit deutschen Soldaten überhaupt zustande kam. Treffen entsprechende Berichte zu, dann hat der Afrika-Politiker Chirac die Bundeskanzlerin bereits wissen lassen, daß eine Verlängerung in seinem Sinne wäre. Sollte Verteidigungsminister Jung davon keine Kenntnis haben? Noch einmal wird er sich nicht überrumpeln lassen, nur um abermals gewagte Begründungen für die Präsenz der Bundeswehr liefern zu müssen. Jung weiß, daß er Flexibilität braucht, um auf instabile Lagen reagieren zu können, wie man sie für den "volatilen" Kongo jederzeit erwarten muß. Auslandseinsätze folgen nicht der Logik der Stechuhr. Deutschland macht also Erfahrungen, die andere westliche Partner mit friedenserhaltenden und Stabilitätseinsätzen reichlich gesammelt haben: Man bleibt (immer) länger als vorgesehen. Auf der anderen Seite gibt es den Bundestagsbeschluß, die Versicherung der Regierung. Darauf muß man sich verlassen können.



Text: F.A.Z., 25.10.2006, Nr. 248 / Seite 14