31. März 2006 Immer deutlicher zeigt sich, daß vom Nordirak, wo die Kurden sich seit Beginn der neunziger Jahre, insbesondere jedoch seit dem Sturz Saddam Husseins, selbst verwalten, eine Art Sog auf die außerhalb dieser Region lebenden Kurden ausgeht: Nicht nur in Syrien und Iran, sondern vor allem im Südosten der Türkei kommt es immer häufiger wieder zu Spannungen mit der Staatsmacht, mit Armee und Polizei.
Erst vor wenigen Tagen haben die Kurden ihr Nevruz-Fest gefeiert; da ist es immer unruhig in ihren Städten und Dörfern. Doch hinzu kommt, daß sie sich durch den relativen Erfolg ihrer Brüder im Nordirak zu neuerlichen Demonstrationen ermutigt fühlen. Das reicht von Städten wie Batman, Mus, Diyarbakir bis nach Sirnak im Süden.
Auch die PKK, deren Gründer Abdullah Öcalan wegen Terrorismus seine Haftstrafe absitzt, macht seit geraumer Zeit wieder stärker von sich reden. Das Militär hält dagegen, teilweise wohl auch mit Mitteln, die demokratisch fragwürdig sind. Nun hat es etliche Tote gegeben. Unter der Regierung Erdogan ist manches gelockert worden, doch von einer wirklichen Bewältigung von Minderheitenfragen ist die Türkei noch weit entfernt.
Text: wgl.; F.A.Z., 01.04.2006