Milbradt tritt zurück

Niedergang ohne Charisma

Von Georg Paul Hefty

Georg Milbradt: Absehbares Scheitern

Georg Milbradt: Absehbares Scheitern

14. April 2008 Diese Ministerpräsidentschaft stand von Anfang an unter einem unglücklichen Stern. Sie wird als Lehrbeispiel in die Literatur dafür eingehen, dass in der Politik Ehrgeiz und Fachwissen nicht ausreichen und ohne die sonstigen Talente, die mit dem Sammelbegriff Charisma bezeichnet werden, sogar geradewegs zum Scheitern führen.

Georg Milbradts Schwarzer Montag war nicht erst die Folge einer Landesbankaffäre und einer für einen Normalbürger normalen Beteiligung an einem Fonds bei einer in diesem Falle jedoch dienstlich beaufsichtigten Bank.

Allein bei Hochwasser gelang es ihm, als Landesvater anerkannt zu werden

Allein bei Hochwasser gelang es ihm, als Landesvater anerkannt zu werden

Der Niedergang war in der Art des Aufstiegs angelegt: als sich Milbradt zwar gegen seinen Entdecker Biedenkopf und dessen Winkelzüge durchsetzen konnte und den Sessel des Ministerpräsidenten eroberte, aber die Warnungen überhörte, dass ihm alles – auch in der Demokratie notwendige – Hinreißende abgehe.

Nur selten als Landesvater anerkannt

Es ist eine Leistung, dass Milbradt sich so lange hielt, doch über das Alltägliche hinaus hatte er weder als Regierungschef noch als Parteivorsitzender wirklich Erfolg: Das Wahlergebnis ging den Bach hinunter, Scheinaffären und tatsächliche Fehler Dritter hielten das Land mehr in Atem als die Zukunftsvision des Mannes, dem es allein bei Hochwasser gelang, als Landesvater anerkannt zu werden.

Es wird Milbradts Nachruhm nutzen, wenn die rasch geordnete Nachfolge ihm und nicht (allein) der Bundesvorsitzenden der CDU zugeschrieben werden wird.

Die Kanzlerin braucht de Maizière

Stanislaw Tillich war schon vor Jahren aufgefallen, weil sowohl Biedenkopf als auch Milbradt den ruhigen Sorben als „ihren jungen Mann“ in bundes- und europapolitischen Dingen betrachteten. Die Bewährung an der Spitze der Staatskanzlei, des Umwelt- und Landwirtschaftsressorts und schließlich des Finanzministeriums machte ihn beiläufig zum geheimen Anwärter auf die Nachfolge, während alle Welt auf den Berliner Kanzleramtsminister de Maizière blickte.

Doch dessen Chancen sanken mit jedem Tag, den Milbradt herausschinden konnte: Je näher die Bundestagswahl rückt, desto weniger Unruhe, Personalwechsel und Einlernzeit kann die Kanzlerin in ihrer Umgebung gebrauchen.

Dasselbe Argument sprach auch für eine landeseigene Lösung in Sachsen. Die CDU stellt sich für die Landtagswahl neu auf, die SPD muss tatenlos zusehen; ihr ist es auch lieber, einen gestärkten Partner zu haben als bei vorzeitigen Wahlen von den Linken bedrängt zu werden.

Text: F.A.Z.

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Milbradts Rücktritt

Ein vorbereiteter Abschied

“Milbradt geht oder die Koalition zerbricht“

Anders als einst Kurt Biedenkopf hat sich Georg Milbradt intensiv an der Lösung der Nachfolgefrage beteiligt. An der Spitze der sächsischen Union wird nun auf einen Schlag ein umfassender Generationswechsel vollzogen. Milbradt geht, ohne einen Scherbenhaufen zu hinterlassen. Von Reiner Burger, Dresden

Rücktritt in Sachsen

Milbradt hat die Kanzlerin nie geduzt

Per “Sie“: Merkel und Milbradt auf dem CDU-Parteitag in Dresden

Die CDU-Führung lobt den scheidenden Ministerpräsidenten Milbradt als großen Finanzfachmann und Ordnungspolitiker. Doch in der Hauptstadt war er nie beliebt - und niemand scheint hier über seinen Rücktritt betrübt zu sein. Von Wulf Schmiese, Berlin

Milbradt tritt zurück

„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt“

Der sächsische Ministerpräsident Milbradt hat seinen Rücktritt angekündigt. Ende Mai will er sein Amt an Finanzminister Tillich übergeben, der auch den Vorsitz der CDU in Sachsen übernehmen soll. Die Krise der Sachsen LB und private Geldgeschäfte hatten Milbradt in Bedrängnis gebracht.

Milbradts Nachfolger Stanislaw Tillich

Ein Sorbe für Sachsen

Folgt der sächsische Landtag dem Vorschlag Georg Milbradts, wird Stanislaw Tillich der erste gebürtige Sachse als Ministerpräsident in der Nachwende-Geschichte des Freistaats sein. Der Sorbe war bislang Finanzminister in Milbradts Kabinett und soll auch den CDU-Vorsitz übernehmen. Von Reiner Burger, Dresden

Milbradt im Wortlaut

„Mit aller Kraft gefragt, Schaden von unserem Land abzuhalten“

Georg Milbradt: “War mit aller Kraft gefragt, Schaden von unserem Land abzuhalten“

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) hat am Montag seinen Rücktritt angekündigt. FAZ.NET dokumentiert seine Erklärung im Wortlaut.

Sachsen

Milbradt kündigt seinen Rücktritt an

Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt will seine Ämter als Regierungschef und CSU-Landesvorsitzender niederlegen. Den Schritt will er Ende vollziehen. Dann soll Finanzminister Tillich die Geschäfte übernehmen.

Sachsen

Milbradts langgestreckter Abschied

In Sachsen wird derzeit ein Stück gegeben, das trotz mancher Kuriositäten keine Komödie, sondern eine politische Tragödie ist. Private Geldgeschäfte bringen Sachsens Ministerpräsidenten in Bedrängnis und lassen ein Scheitern der Koalition mit der SPD immer wahrscheinlicher werden. Von Reiner Burger