Von Georg Paul Hefty
14. Mai 2008 Dass eines Tages ausgerechnet die bayerische Landtagswahl die Wiederwahl eines der CDU zugerechneten Bundespräsidenten zunichtemachen könnte, hätte vor zwei Jahren noch als schrulliger Einfall eines Kabarettisten gegolten. Jetzt aber wird diese Möglichkeit im linken Spektrum ernsthaft erwogen.
Sollte die jüngste aufsehenerregende Umfrage, die der CSU nur noch 44 Prozent der Wählerstimmen zuordnete, sich auch nur annähernd als begründet herausstellen und im Landtagswahlkampf selbst von Hubers Steuersenkungsprogramm nicht mehr korrigiert werden können, dann wäre der Vorsprung von CDU, CSU und FDP bei der Wahl des Staatsoberhauptes dahin.
Köhler in einer schwierigen Lage
Daher raten SPD-Politiker wie Pronold und Grüne wie Trittin dazu, über Gegenkandidaten zu Bundespräsident Köhler erst im September zu entscheiden. Ob der SPD-Vorsitzende Beck so lange die Nerven behält, wird über seine Aussichten auf die Kanzlerkandidatur mitentscheiden. Der Amtsinhaber Köhler ist in einer noch schwierigeren Lage. Obwohl ihm dann ein Schielen nach den Wahlstimmen nachgesagt werden wird, sollte auch er bis dahin offenlassen, ob er bereit ist, sich wieder der Bundesversammlung zu stellen.
Die Linke wird Köhlers Beliebtheit mit der Benennung einer Frau zu konterkarieren versuchen. Dafür käme gegenwärtig nicht so sehr die Bundesjustizministerin Zypries, sondern wohl nur die frühere SPD-Familienministerin Renate Schmidt in Betracht. Ihr könnten Union und FDP ideologisch nichts vorwerfen, nachdem die Unions-Ministerin von der Leyen im Grundsatz das Familienprogramm ihrer Vorgängerin Schmidt verwirklicht - zum Nutzen der CDU.
Wähler in Bayern beflügeln
Die gegenwärtige Bundestagsabgeordnete, frühere Bundestagsvizepräsidentin und bayerische Oppositionsführerin wäre nicht nur geschlechtlich, sondern auch politisch das Gegenstück zu Köhler. Gegen den einstigen Staatssekretär und Direktor des Internationalen Währungsfonds eine Universitätsrektorin oder Schriftstellerin aufzustellen käme dem Eingeständnis gleich, dass unter den Berufspolitikern von SPD und Grünen niemand zu finden sei, den man den Bürgern als Staatsoberhaupt vorstellen könnte.
Eine rechtzeitige Nominierung von Frau Schmidt könnte die Wähler in Bayern sogar beflügeln, endlich eine hauptamtliche Bayerin an die Spitze Deutschlands zu befördern.
Text: F.A.Z.