21. August 2006 Pawel Adamowicz, der Bürgermeister von Danzig, hofft auf ein rasches Ende der Diskussion um die Ehrenbürgerschaft von Günter Grass. Der in der nordpolnischen Hafenstadt geborene Literatur-Nobelpreisträger habe große Verdienste, die auch seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS im Alter von 17 Jahren nicht schmälere, sagte Adamowicz am Montag im polnischen Rundfunk. Der Danziger Stadtrat will am Dienstag über die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft diskutieren. Adamowicz dagegen bekräftigte, die Kommunalregierung sei gegen einen solchen Schritt.
Der Bürgermeister fühlt sich dabei von den Bürgern bestätigt. In einer am Wochenende veröffentlichten Umfrage hatten 72 Prozent der Danziger eine Aberkennung von Grass' Ehrenbürgerschaft abgelehnt. Für ihn sei die Angelegenheit mit diesem Umfrageergebnis abgeschlossen, sagte Adamowicz.
Danziger stehen hinter Grass
Die Günter-Grass-Gesellschaft in Danzig stellte sich in einem am Montag in der Zeitung Rzeczpospolita veröffentlichten Leserbrief hinter den Schriftsteller. Wie kein anderer habe Grass als Schriftsteller und Bürger zur Annäherung von Deutschen und Polen beigetragen. Zwar seien die Mitglieder der Gesellschaft bestürzt über Grass' Mitgliedschaft in der Waffen-SS und sein langes Schweigen. Mit seinem Bekenntnis habe er dennoch Mut gezeigt.
Auch die Danziger Schriftsteller Pawel Huelle und Mieczyslaw Abramowicz verteidigten Grass in einem am Montag in der Gazeta Wyborcza veröffentlichten Interview. Man muß nur die Bücher von Grass lesen, um zu wissen, auf wessen Seite er steht, sagte Huelle. Abramowicz ergänzte, Grass bleibe für ihn eine moralische Autorität. Wir Danziger verdanken ihm viel. Er habe seine Bücher nur dank der Werke von Grass schreiben können.
Text: dpa
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