Wieder ist die Republik über sich erschrocken. An ihren Schulen geht es schlimmer zu, als sie es wahrhaben wollte. Dem Schock über die Bildungsmisere folgt nun das Entsetzen darüber, daß die deutschen Schulen auch als Integrationsmaschinen viel weniger leisten, als nötig wäre.

Lesermeinungen zum Beitrag

09. April 2006 12:17
"Männerdämmerung" nicht auch 68er?  
Michail Savvakis (michail)

Zu den Zielen, die von den Achtundsechziger-Progressisten verfolgt wurden, um das Potential der ihnen unliebsamen "Ordnungssysteme" zu schwächen, gehörte auch die sog. Abschaffung des Patriarchats.

Eine maßlose Einseitigkeit in der Wahrnehmung fast ausschließlich weiblicher Belange - nicht nur in der Bildung - übersteigerte sich am Ende noch zu offensichtlicher Herabsetzung alles Maskulinen; zur fröhlichen "Männerdämmerung" lud auch vor nicht allzulange Zeit die FAZ in ihrem Feuilleton ein.

In den Schulen war ohnehin bereits "Männerdämmerung", ließ uns schon damals die überwiegende Mehrzahl von Lehrerinnen wissen. Dennoch gaben sich Männerdämmerer aller Couleur weiterhin zuviel Mühe, um uns sogar eine unverblümte Psychiatrisierung des Maskulinen zuzuschieben ("Eine Krankheit Namens Mann", "Kennwort Y" usw.) Jetzt so tun, als wollte man Identität bedürftiger, väterfixierter Einwanderer-Jungen sorgevoll gediegene Mannsbilder anempfehlen, schiene etwas fragwürdig.

Es sind also nicht nur die Achtundsechziger. Es sei denn sie sitzen auch in der FAZ.

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06. April 2006 17:27
Ich denke man kann es sich nicht so einfach machen.  
Andreas Seidl (ASeidl)

Der Erfolg der Kinder an der Schule hängt im wesentlichen vom Engagement der Eltern um die Ausbildung ihrer Kinder ab. Wenn Eltern ein Interesse an dem Lernerfolg ihre Kinder haben und Wert auf ordnungsgemäßes Betragen legen, werden sie mit den Lehrern zusammenarbeiten. Oft beobachtet man aber, daß gerade die Eltern der Kinder, die Probleme haben den Elternabenden fern bleiben. Es macht keinen Sinn, wenn die deutsche Gesellschaft in ihrem Schuldkomplex hierfür die Verantwortung bei sich sucht. In diesen Fällen liegt sie bei den Eltern. Eine Unterscheidung zw. Ausländer und Deutschen treffe ich hier bewußt nicht, lediglich ist eine Häufung bei der ersten Gruppe zu beobachten.

Wenn Kinder in der Schule nicht die erwarteten Leistungen bringen reagieren viele Eltern in der Form, daß sie ihre Kinder als "überfordert" sehen und eine Senkung des Niveaus, Abschaffung der Noten, Gesamtschulen oder lange Eingewöhnungsphasen fordern. Diese Tendenz hat langfistig zum Niveauverlust der deutschen Schulen gegenüber dem Ausland geführt, was Pisa schonungslos zeigt.

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06. April 2006 14:37
Antwort auf Herrn Bährs Auslassungen  
Jürgen Schmidtmann (schmidtmann3)

Da ist aber jemand betroffen. Vielleicht ein Alt-68er, der jetzt erkennen muss, dass alles was er dachte und wie er handelte nicht einen Schuß Pulver wert gewesen ist. Seit den 70er Jahren versuche ich meinen Bekannten und Freunden klar zu machen, dass Deutschlands größtes Unheil diese Generation der 68er gewesen ist und heute im Jahre 2006 steigen nun auch andere dahinter, was für ein untragbares Gedankengut diese Generation verkörpert. Ein Beispiel nur aus neuester Zeit: Da wird in Bayern ein Gesetz erlassen, wonach nur die ausländischen Kinder in die Schule dürfen, die auch ausreichende Deutschkenntnisse besitzen. Und was passiert. Die Alt-68er schreien wieder einmal auf und stellen dieses Denken in die rechte Ecke. Zu was anderem hat es bei dieser Generation nie gereicht. Sie behalten das bei was sie immer hatten: Das Denken in verkrusteten Strukturen und bloß nichts dazulernen. Und was Bayern angeht. Ich wohne nun seit über 20 Jahren in Dänemark und genau das passiert in diesem liberalen und toleranten Staat, dass nämlich Kinder ohne entsprechende dänische Sprachkenntnisse nicht in die regulären Klassen aufgenommen werden, sondern in Extra-Klassen auf den Unterricht vorbereitet werden. Und kein Mensch regt sich in Dänemark darüber auf. Aber in Deutschland schreien die Gutmenschen der 68er Generation stets auf, wenn wieder einmal etwas nicht so läuft wie sie es gerne hätten. Ihr Menschenbild ist einfach nichts wert.

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06. April 2006 13:22
Weiter so!  
Gerhard Neidhöfer (gne2)

Sehr geehrter Herr Berthold Kohler,

den Leitartikel in der heutigen FAZ "Die Erblast von Achtundsechzig" finde ich inhaltlich, sprachlich und terminlich hervorragend. Glücklicherweise widmet sich die FAZ, bzw. Sie, einem gesellschaftlichen Problem großen Ausmaßes. Als 57-jähriger gehöre ich zwar selbst zu der Generation, die das Chaos gestaltet, zumindest aber zugelassen hat. Als Geschäftsführer eines Mittelstandsunternehmens erleide ich täglich an allen Fronten die Auswirkungen der fehlenden Werte und Ordnungssysteme im Umgang mit Mitmenschen, Mitarbeitern und Kunden. Was hier am Beispiel der Schulen aufgerührt wird, betrifft alle Lebensbereiche und ist ein wesentlicher Grund der wirtschaftlichen Probleme, der hohen Arbeitslosenzahlen (nicht zu verwechseln mit Arbeitslosigkeit) und der allgemeinen Desorientierung.
Ich bitte Sie, diesen Artikel als Start einer Aufrüttelkampagne zu definieren, die durch die Macht der FAZ eine positive Wirkung entfalten wird. Weiter so!

Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Neidhöfer
ACG Automation Consulting Group GmbH
Lyoner Str. 11A 60528 Frankfurt
Email: gne@acg-gmbh.de

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06. April 2006 11:36
Prügelknabe 68er: weder originell noch hilfreich!  
Klaus-Henning Bähr (henning_baehr)

Dieser Leitartikel könnte als Kronzeuge für die konservative Larmoyanz gelten, die aus dem seit vierzig Jahren unbewältigten Trauma der Revolte gegen die einstmals ehernen Grundfesten bürgerlichen Selbstverständnisses gespeist wird. Auch wenn, wie schon so oft, hämisch vermerkt wird, die Rebellen von einst hätten sich mittlerweile im warmen Nest einer bürgerlichen Existenz eingerichtet, scheint das ein schwacher Trost zu sein: Die böse Saat ist aufgegangen, statt mit "Hände an der Hosennaht" und "Diener" begegnen uns die "Kids" mit lässiger Aufmüpfigkeit, wollen überzeugt werden, statt zu gehorchen, schätzen statt des immer noch unnachsichtig abverlangten "Bildungskanons" eher andere Erfahrungen, die sie zur Teilhabe an dieser trotz allen Gejammers immer noch liebenswerten Welt offenbar besser vorbereiten. Wer sollte das verübeln angesichts des nicht zuletzt auch von der bürgerlichen Politik angerichteten Desasters der Jugendarbeitslosigkeit? Den "Ausländern", auch unseren europäischen Nachbarn, gefällt das offenbar. Ein Kompliment! Die "Integrationsprobleme", von den Konservativen ängstlich und gekränkt als Krebsgeschwür unseres inneren Friedens beargwöhnt, werden sich von selbst verflüchtigen, wenn für Chancengleichheit und Arbeitsplätze gesorgt wird. Für Versäumnisse auf diesem Feld, auch bei der Durchsetzung des Rechts, sind Funktionsträger jeder Couleur in Staat und Gesellschaft verantwortlich, auch konservative, und nicht nur die bösen 68er.

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06. April 2006 11:35
Die Erblast von Achtundsechzig  
Detlef Herrmann (Libra222)

Vielen Dank für diesen Kommentar, der lange schon fällig war. Endlich hat jemand den Finger auf die eiternde Wunde gelegt.

Zu den geschilderten Motiven der 68er kommen noch andere Gründe: 1. Der Industrie war es wohl außerordentlich genehm, in Zeiten der Hochkonjunktur türkische Gastarbeiter - nun Einwanderer - ins Land zu holen, die selbst in der westlichen Türkei als sonderbar rückständig angesehen werden. Heute ist in Berlin etwa die Hälfte dieser Einwanderer arbeitslos und wird vom Staat ausgehalten. 2. Warum leuchtet niemand in die Welt der Einwanderer intensiv hinein, die geduldetermaßen über alle möglichen legalen und illegalen Hackentricks ihre Verwandeten nachkommen lassen und sie in ihrer Nähe unterbringen. Das wuchert im Laufe der Jahrzehnte zu Ghettos zusammen, gegen die niemand etwas unternommen hat und unternimmt. 3. Es gibt Hausbesitzer, die an Türken Billigwohnungen vermieten, um die restlichen Mieter hinauszuekeln, damit dann nach dem Hinauswurf der Türken die Häuser mieterfrei weiterverkauft werden können.

Von einer Wende, die uns die nötige Festigkeit gibt, nicht nur Menschen rein- und sich selbst zu überlassen, sondern sie auch in eine Welt zu integrieren, für die zu engagieren sich lohnt, sind wir meilenweit entfernt. Bis dahin zeigen uns junge Türken den Mittelfinger.

Detlef Herrmann
14197 Berlin
Wiesbadener Straße 59c

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06. April 2006 11:23
Die Deutsche Abschiebegesellschaft  
Ali Sak (AliSak)

„Unter dem Banner der Toleranz fand in den Kommunen das Gegenteil von Integration statt“ Nicht Toleranz führt zum Scheitern der Integration sondern Ignoranz der Existenz von Menschen, die aus einem anderen Kulturkreis kommen. Wie sollen sich Migranten hier integrieren, wenn sie fast nach 50 Jahren immer noch als Ausländer klassifiziert werden und keine Rechte aber nur Pflichten haben. Die ersten beiden Generationen haben sich den Repression der deutschen Gesellschaft angepasst, aber die 3 und nachfolgenden Generation tun es nicht mehr, sie wehren sich. Laut Kriminalstatistik steigen die Deliktraten mit zunehmender Aufenthaltsdauer in Deutschland. Bei Türken z.B. bis 5 Jahre Aufenthalt ist die Kriminalitätsrate unter denen der Deutschen. Diese steigt mit zunehmender Aufenthaltsdauer und ist am höchsten bei deineingebürgerten. Dies bedeutet: Die deutsche Gesellschaft mach Migranten erst zu „kriminellen“, weil Sie ausgesondert und sozial benachteiligt werden. Laut einer Untersuchung von Prof. Boss-Nünnig(Essen) haben Migranten mit gleichen Schulabschlüssen wie einheimisch Deutsche 2-3 Fach geringere Chancen ein Ausbildungsplatz zu bekommen. Warum? Weil die deutsche Gesellschaft diese Jugendlichen gar nicht integrieren sondern aussondern und am besten abschieben will. Die Rufe nach Abschiebung von „Ausländern“ hört man gerade jetzt in deutschen Stammtischen, gefördert von rechtspopulistischen Medien und Politikern zu Hauff. GUTE NACHT DEUTSCHLAND

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06. April 2006 10:52
Ach es ist so schön einfach:  
German Feldmann (achwas)

Jetzt wird alles auf die 68er abgeschoben und völlig ausgeblendet das gerade die Grünen seit 20 Jahren eine andere Integrations- und Schulpolitik fordern, die aber immer wieder von anderen vehement abgelehnt wurde. Begründung: Deutschland ist kein Einwanderungsland und deshalb sind Integrationsmassnahmen nicht nötig, höchstens Assimilation wird erwartet. Ich meine nicht die Einführung von Sprachtests, die in anderen Ländern selbstverständlich sind. Das dreigliedrige Schulsystem mit Selektionsmechanismus ist sowieso das Beste der Welt, obwohl es alle inzwischen anders machen. Auch bei den 68ern spielen Werte durchaus eine Rolle, und es sind sogar die gleichen `spiessigen´ Werte der Vorgeneration, aber anders interpretiert. Respekt habe ich vor jemanden der inhaltlich für etwas steht, nicht vor der Funktion einer Person die hohl ist wie eine Birne. Aber die populistischen und polarisierenden Diskursschemata kennen wir in Deutschland zur genüge: Sie sind nicht zielgerichtet auf Problemlösung aus sondern schielen auf Beliebsheitskala, Verkaufszahlen usw. und dadurch wird unser Land zu Grunde gerichtet.

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06. April 2006 10:51
Integration ist Bringschuld  
Carsten Jung (cjung1)

Man vergesse in diesem Prozeß nicht die Rolle der Medien. In dieser Woche lief (in Panorama?) ein Beitrag zur Integration, dessen Ausgangspunkt war, daß Integration ausschließlich gegenseitig funktioniere. Der Deutsche muß genauso zum Auländer werden wie der Ausländer zum Deutschen. Dieser abwegige Ansatz zeugt vom tiefgreifenden Verständnis vieler Multiplikatoren, die abseits der Schule für ein nachhaltiges Integrationsbild gesorgt haben. Wenn am Ende der Integration beide Kulturen voneinander etwas annehmen ist ja nichts dagegen zu sagen. Aber Integration ist zunächst eine Bringschuld derjenigen, die sich entschließen, zumeist freiwillig, hier zu leben. Angebote diesbezüglich müssen selbstverständlich gemacht werden.

Zur Schule allgemein sind zwei Dinge zu sagen:

1. Schule kann nicht Aufgaben der Eltern erledigen. Das gilt nicht nur für ausländische sondern verstärkt auch für deutsche Familien.

2. Bildungspolitik war und ist immer das Stiefkind der deutschen Politik, weil man mit dieser keine Plattform erhält. Das Bildungsporoblem fängt bereits seit Jahrzehnten im unterfordernden Kindergarten an und führt über fachlich fragwürdige Grundschullehrer(innen) zu weiterführenden Schulen, wo auf einmal geleistet werden soll und ist somit völlig inkonsistent.

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