Von Klaus-Dieter Frankenberger
02. Juni 2008 Die Lage im Irak hat sich (etwas) beruhigt, bleibt aber fragil. Gleichwohl ist festzuhalten, dass das Land sich von jenem Abgrund des Bürgerkriegs wegbewegt, in den viele es vor eineinhalb Jahren schon hatten stürzen sehen.
Man wird die Verbesserung der Sicherheitslage nicht ausschließlich, vielleicht noch nicht einmal in erster Linie der Verstärkung der amerikanischen Truppen anrechnen können; dass sie aber in die beabsichtigte Richtung wirkt, ist offensichtlich. Die Meldung, dass die amerikanischen Verluste im Mai so niedrig waren wie seit der Invasion nicht mehr, setzt aufs Neue jene ins Recht, die von Beginn an auf eine viel größere Truppenpräsenz gedrungen hatten – wenn schon Bush meinte, den Krieg führen zu müssen.
Aber der Grundfehler unzureichender Truppenstärke lässt sich nicht korrigieren. Vermeiden lässt sich jedoch ein anderer: Es ist eine Illusion – oder Täuschung im Wahlkampf – zu glauben, Amerika könne seine Truppen einfach abziehen, ohne Rücksicht auf die Lage. Würde der Abzug überdies in der Region als eiliger Rückzug gedeutet, wären die Folgen möglicherweise verheerend.
Text: F.A.Z.