22. August 2006 kum. Dem Kongo-Einsatz der Europäer droht ein Scheitern, bevor er richtig begonnen hat. Mit dem Angriff der Präsidentengarde auf Jean-Pierre Bemba, der offenbar das Ziel hatte, Präsident Kabilas Widersacher aus dem Weg zu räumen, hat sich die Hilfestellung zur Stabilisierung des Landes auf dem Weg zur Demokratie erledigt. Demokratie, auch der Weg dorthin, sieht anders aus, und es gehört einige Phantasie dazu, sich vorzustellen, wie es denn nun weitergehen soll. Von einer regulären Wahl kann keine Rede mehr sein, ebensowenig von einem vorübergehenden Gewaltausbruch, der sich wieder legen werde. Die Stichwahl Ende Oktober noch abzuhalten verbietet sich schon aus Gründen der Glaubwürdigkeit. Wohin soll man sich also wenden? Kabila wird sich nicht ohne Gegenwehr von der Wahl ausschließen lassen - gerade das wäre nun aber angebracht. Auf Bemba zu setzen, der nach in Afrika, Europa und Amerika verbreiteter Ansicht eigentlich vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gehört, bedeutete ebenfalls, mit dem Feuer zu spielen. Es sieht so aus, als sei Kongo wieder dort angelangt, wo es schon seit Jahrzehnten steht: vor der Wahl zwischen Pest und Cholera.
Text: F.A.Z., 23.08.2006, Nr. 195 / Seite 8