Atomkraft: Einst von der SPD als Segen gepriesen

FAZ.NET-Spezial

Besserwisserische Energiepolitik

Spezial Wer sagt uns, daß die Zukunft in der Photovoltaik liegt und nicht auf dem Acker? Eine Politik, die immer zu wissen meint, welcher Technik die Zukunft gehört, bekommt dem Land schlecht. FAZ.NET-Spezial zum Energiegipfel im Kanzleramt.

Lesermeinungen zum Beitrag

05. April 2006 18:08

SPD/Arbeitsplätze

Marcus Römer (mfroemer)

@SPD
Ich halte den Beitrag für parteiisch, weil nur der SPD ihre Verfehlungen in der Energiepolitik vorgehalten wird. So wie die SPD sich einseitig auf die erneuerbaren Energien gestü(r)tz hat, so verkauft die CDU die Atomkraft als Rundum-Sorglos-Paket. Atomkraft ist nun mal aus ökologischer Sicht unsinnig, weil wir den Atommüll derzeit nicht "entsorgen" sondern verstecken. Von Tschernobyl und ähnlichen Katastrophen müssen wir gar nicht anfangen. Aber das müssen wir IMMER WIEDER bedenken. Ein GAU in einem deutschen AKW, so unwahrscheinlich er auch sein mag, wird mehr Schaden verursachen, als die Photovoltaik oder die Windkraft je kosten kann.
Dennoch dürfen wir die Atomkraft zumindest kurzfristig nicht abschreiben, weil die alternativen Energien eben noch keine Alternativen sind. So sieht es nunmal aus.

@Arbeitsplätze
Wenn die Energiekosten, durch verfehlte Politik, steigen, werden die Energiekosten steigen und energieintensive Produktion wird ins billigere Ausland abwandern. Das ist nun wirklich einfach zu verstehen. In Island gibt es eine Aluminiumhütte. Nicht weil es dort Bauxit gibt, sondern weil der Hin und Rücktransport und die Energiekosten immer noch billiger sind, als wenn man das Aluminium beispielsweise in Deutschland produziert. Eine Aluminiumhütte in Norddeutschland wurde, obwohl sie immer profitabel war, gechlossen, weil die Energiekosten im Ausland billiger waren und der Profit dadurch höher war. Willkommen in der Globalisierung!

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
04. April 2006 04:29

Besserwisserische Ideologiepolitik Teil 2

Kai Lambrecht (kaizendesign)

Dietrichs größte Horrormeldung ist, daß das Verschweigen von Minister Müllers "Horrorzahlen" hunderttausende von Arbeitsplätzen vernichtet und garnicht sagt warum. Wohin gehen denn diese Arbeitsplätze verloren?

Das ist mir doch tatsächlich schleierhaft. Dabei sind wir doch schon so von der Arbeitsplatzkeule abgebrüht, nachdem sie Arbeitgeberpräsident Hundt immer wieder wegen jedem Pups schwingt.

Fakt ist doch, daß die erneuerbaren Energien mit einem Bruchteil der Gesamtinvestitionen auf weitaus mehr Arbeitsplätze gebracht hat, als es die Atomkraft je geschaffen hat.

Schließlich wird auf die Fehlertoleranz der Sozen eingegangen, daß Willy Brandt die Atomkraft pries und heute keiner davon wissen will. Da möchte ich anmerken, daß auch die Ökosteuer mal von Umweltministerin Merkel hoch gepriesen wurde und sie das als Parteichefin plötzlich auch nicht mehr wissen wollte.

P.S. Ich bin weder Kampfsoze noch Ökofaschist. Ich wühsche mir nur fundiertere Berichterstattung.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
04. April 2006 04:13

Besserwisserischere Ideologisiererei

Kai Lambrecht (kaizendesign)

Eigentlich hatte ich mich über diesen Artikel gefreut. Ich dachte, neue Erkenntnisse über sinnvolle Energiegewinung zu bekommen. Stattdessen bekomme ich von Stefan Dietrich ideologisierte Schulmeisterei geboten, mit SPD-Klatsche und unbegrüdeten "Horrorszenarien".

Da hätte ich der Chefredaktion zugetraut, gehaltvollere Kommentare anzumahnen. Da wird erst mal von rot-grünem "Wunschdenken" über den richtigen Energiemix gesprochen.

Natürlich ist es richtig, darüber nachzudenken, ob Photovoltaik in der Bundesrepublik die Energieform der Zukunft ist. Aber das Erneuerbare-Energiegesetz privilegiert doch nicht diese Energieform. Die größten Zuwächse hat es doch gerade bei der Biomasse und der Windenergie gegeben.

Dann wird darüber gesprochen, daß neben Klimaschutz die Versorgungssicherheit ein hohes Gut sei. Doch sowenig Erdöl es in Deutschland gibt, so wenig gibt es Uran. Und das kommt auch oft aus ähnlich unsicheren Gegenden wie das Öl. Von der Lösung der Entsorgungsfrage mal ganz abgesehen. Allein die Tatsache, daß die Wärmestrahlung von Atommüll ständig mit Klimanlagen gekühlt werden muß, welche zusätzliche Energie verbraten - und das auf Jahrzehnte hinaus - führt die Atomkraft doch von alleine ad absurdum. Und dann wird von ideologischer Verblendung geredet.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
03. April 2006 20:31

Ohne Uran, keine Atomenergie!

Maximilian Lorenz (maximilianlorenz)

Ein wichtiger Aspekt, der in allen Pro-Atom-Artikeln ausgeblendet wird ist die sehr knappe Ressource des Rohstoffs Uran.

Die nur noch auf maximal 60 Jahre der IAEA geschätzten Uranvorkommen beziehen sich auf die Zahl gegenwärtig laufender Anlagen; schon bei verdoppelter Anzahl halbiert sich unweigerlich der Verfügbarkeitszeitraum. Ohne den unverzüglichen Übergang zu Schnellen Brütern, die die Uranvorkommen deutlich strecken könnten, wäre also nicht einmal der von der IAEA errechnete Zuwachs realisierbar!

Doch die Geschichte der Brutreaktoren ist die eines Fiaskos. Der britische Reaktor erzielte bis zu seiner Schließung 1992 eine Arbeitsauslastung von 15 Prozent, ebenso der russische; der französische Superphenix (1200 Megawatt) erreichte 7 Prozent und kostete 10 Milliarden Euro, der sehr viel kleinere japanische Brüter (300 Megawatt) kostete schon 5 Milliarden Euro und hat regelmäßig Betriebsprobleme. Sollte es gelingen, diese Reaktorlinie arbeitsfähig zu machen, dann nur mit unkalkulierbar hohen Zusatzkosten und-risiken.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
03. April 2006 18:35

Idealismus vs. Intellektualität

Markus Schmidt (chalkeus)

Ich muss sowohl dem Autoren Herrn Dietrich als auch Herrn Schnurr Recht geben.
Gegen Werte-orientierte Politik, auch Umweltpolitik ist auch überhaupt nichts einzuwenden.
Der Gedankenschritt, dass -langfristige!- wirtschaftliche Effizienz aber eben kein kalter, von "Heuschrecken" für ihre Bereicherung ausgenutzter Mechanismus ist, sondern für das Wohlergehen einer Volkswirtschaft (und damit für deren Bürger!!!) essentiell, sollte sich nach meinem Empfinden genauso rasant verbreiten wie die Windräder...

PS: "InteRlektuelle" aller Länder, vereinigt eucht!

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
03. April 2006 14:54

Besserwisserische Energiepolitik?

Kurt Bannach (bannach)

Schlimmer sind besserwisserische Journalisten!
Natürlich gibt es zur Zeit noch kein Rezept dass allen Energie- und Umweltpolitischen Anforderungen der nächsten zehn Generationen gerecht wird. Wenn man auch noch beachtet, seit wie vielen Generationen wir umweltschädliche, Energien in großem Umfang verbrennen, dann sollte es wirklich jedem klar werden, dass es so nicht weiter gehen kann! Die Behauptung, dass Politik sich immer im Gleichgewicht zwischen Ökonomie und Ökologie bewegen muss ist falsch. Sie muss Visionen haben und fördern. Wenn man die Wirtschaft für nnachhaltiges Denken (über ein, zwei Vorstandsperioden hinaus) verantwortlich machen will, ist man ein unverbesserlicher, gutgläubiger Träumer oder unfähig die Realitäten zu erkennen. Die ganzen Überlegungen, ob es sich um das Vernichten von Gas, Kohle Uran oder Öl handelt, ist kurz gedacht. In wenigen Jahrzehnten werden die Menschen mit den Fingern auf uns zeigen und sagen: "Diese Idioten im 20ten Jahrhundert haben Öl, Erdgas und Kohle verbrannt!! Sogar Nuklearabfall erzeugt, der Halbwertzeiten von z.B.: Plutonium 239 von 24.110; Uran von 245.500 bis zu 4,5 Mrd. Jahren hat, und das alles nur um Autos zu fahren, und zu heizen. Wenn wir nicht schon jetzt auf alternative Energien umsteigen und diese mit allen nur möglichen Ressourcen fördern, werden die Menschen in spätestens 50 Jahren in einer Welt leben die wir uns nicht vorstellen wollen. Die Ökonomischen Vorteile einer nachhaltigen Energiewirtschaft kommen hinzu.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
03. April 2006 14:26

Der Kern des Problems

Jürgen Schnurr (JuergenSchnurr)

Der Beitrag ist sehr interessant. Er haut mit Wucht auf der SPD ein, lästert über Rot-Grün - zu recht.

Aber das Problem ist im Titel enthalten. Es ist nicht das "Bessewisserische", es ist "Energiepolitik".

Kann es sein, dass wir immer genau dort, wo sich die Politik breitmacht, die Probleme haben. Das heißt, dass die Politik die Probleme erst so richtig verschärft, die sie dann zu lösen vorgibt?

Die sogenannte Energiewirtschaft selbst war doch jahrelang in der Hand der Politiker.

Durch politisch (ideologisch) motivierte Subventionen werden Investitionsentscheidungen gelenkt. Wer beziffert den volkswirtschaftlichen Schaden, den unsere Staatswirtschaft verursacht? Nicht nur im Energiesektor.

Was würde passieren, wenn man die staatlichen Subventionen bleiben lassen würde? Und ganz unvorstellbar dafür die Steuern senkt?

Ich finde es ganz toll, dass ein paar Ideologen immer genau wissen, was sie mit dem Geld ihrer Mitbürger alles erreichen können. Ob´s nun die linken oder die rechten sind, vom allmächtigen Staat träumen beide.

Nach dem Desaster der großen Koalition in den sechzigern, droht uns nun die nächste große Koalition der blind Staatsgläubigen noch tiefer reinzureiten. Die große Koalition stellte die Weichen falsch, und nicht erst die sozialliberale Koalition. Die großen Koaliation schuf die Gesetze und das Bewußtsein, die es zur Aufgabe des Staates machen, für ein wirtschaftliches Gleichgewicht zu sorgen.

Anmassung von Wissen.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
03. April 2006 13:09

Windenergie

Albert Groborz (Emigament)

Erwähnen sollte man auch, dass die ökologisch saubere Energieproduktion aus Windkraft bereits in einigen Region auf breites Ablehnen stößt. Hier beschweren sich Einwoher über Landschaftsverunstaltung, Lärm durch die Generatoren sowie Schattenschlag bei sonnigen Tagen durch die Rotorblätter.

Bleibt also nur der Offshore-Bereich.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
03. April 2006 11:14

Geothermie vergessen

Josef Heinzelmann (JosefHeinzelmann)

Die einzige Energiequelle, die die Kernkraft ersetzen kann, ist die Erdwärme: ständig verfügbar (Grundlast), Reserven so wenig erschöpflich wie die Sonne, hier im Lande vorhanden, also keine Abhängigkeit. Und ohne besonderes Sicherheitsrisiko.
Kurioserweise fallen einige geologisch besonders aussichtsreiche Standorte mit denen von AKWs zusammen (z. B. Mülheim-Kärlich), man könnte deren Infrastruktur (Wärme- und Stromnetze) übernehmen.

Warum wird da nicht geforscht, wie in der Schweiz und Frankreich?

Zwei Links: www.geothermal-energy.ch
www.soultz.net

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
1 - 9 von 9 Lesermeinungen
Suche in Beitrag Lesername oder Login
Datum bis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche