01. Juni 2007 High Noon in Heiligendamm! Duell vor dem Badehaus – texanischer Öko-Tor versus Heilige Angela der Kohlendioxidbekämpfung! Wochenlang hatte es so ausgesehen, als müsse es unweigerlich zum Showdown am Ostseestrand kommen zwischen der hiesigen Meinungsführerin in der Klimapolitik und dem großen Verweigerer von jenseits des Atlantiks, der zur Verzweiflung vieler europäischer Politiker auch auf diesem Feld nicht ihre überlegene Weisheit anerkennen wollte.
Zu weit und zu lange schon gehen die Überzeugungen auseinander, wer und was schuld an der globalen Erwärmung sei und wie man sie verhindern könne, als dass eine kurzfristige Einigung darüber möglich schien. Die Gefahr, dass auch der Verständigungsversuch auf dem G-8-Gipfel scheitert, konnte Bush selbst mit seiner jüngsten Erklärung nicht ausräumen. Darin kündigte er an, Amerika werde seinen Schadstoffausstoß verringern. Doch ein Korsett verbindlicher Festlegungen, am Ende noch von den UN geschnürt, will er seinem Land nach wie vor nicht anlegen.
Wie immer ist bei solchen Vorstößen Taktik im Spiel. So wie Berlin die Erwartungen an das medial hochgeputschte Gipfeltreffen zu dämpfen sucht, will Washington bei einem unbefriedigenden Ausgang nicht als der Hauptschuldige dastehen. Doch auch das ist schon ein Fortschritt. Amerika denkt wieder an seinen Ruf und damit an das strategische Verhältnis zu seinen europäischen Verbündeten, nicht zuletzt dem deutschen.
Berlin gewann in dem Maße für Washington an Bedeutung zurück, in dem die Kanzlerin den außenpolitischen Kurs ihres Vorgängers korrigierte. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung ließ Bush erkennen, wie sehr er die Standhaftigkeit Frau Merkels gegenüber dem Kreml schätzt. Und dass er weiß, welchen Stellenwert für sie Fortschritte beim Klimaschutz haben.
So kam er der Kanzlerin im Vorfeld von Heiligendamm einen Schritt entgegen. Das soll heißen, dass er nicht das Duell mit ihr sucht, sondern das Duett, in dem beide Stimmen erkennbar bleiben. Viel wird nun vom Geschick der Gastgeberin abhängen. Doch selbst wenn der Durchbruch noch ausbleibt, wird die Welt nicht (sofort) untergehen. In Amerika scheint sich das Umweltbewusstsein zu ändern. Das wäre jedenfalls weit wichtiger als jeder noch so schöne Formelkompromiss aus einem Hochsicherheitstrakt an der Ostsee.
Text: F.A.Z.
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