Leitartikel

Zapateros Spanien

Es gibt zwei Möglichkeiten, zu deuten, was im Spanien des sozialistischen Ministerpräsidenten Jose Luis Rodriguez Zapatero vor sich geht. Die wohlwollende Interpretation ist, daß ein politisch stabiles und wirtschaftlich dynamisches ...

Lesermeinungen zum Beitrag

28. Juni 2006 10:39

Pure Demagogie

Alexander Weber (weber_alexander)

Nach Jahren der extrem einseitigen Berichterstattung aus Spanien hat Leo Wieland mit diesem Artikel die Grenze zur Demagogie überschritten. Das Gefasel von “rassistischer Engstirnigkeit”, “Stammesfilz” und “Vetternwirtschaft” in einer von “radikalen Nationalisten” regierten Region lässt ein Bild von Katalonien entstehen, das bei vielen Lesern zu einem Vergleich mit einer Taliban-Diktatur führen muss.
Weiter entfernt von der Realität könnte die Beschreibung kaum sein. Die Region zählt unverändert zu den dynamischsten Landesteilen Spaniens, und dies trotz der von der Madrider Zentralregierung erzwungenen “Steuersolidarität”, die weit über dem wirtschaftlich zumutbaren und etwa im deutschen Länderfinanzausgleich üblichen Rahmen liegt. Katalonien verfügt zudem über einige der besten Universitäten Spaniens: Ein Viertel aller ausländischen Studenten, die sich für ein Studium in Spanien entscheiden, wählen eine katalanische Universität – ungeachtet der vom Autor beklagten „Lokalsprache“. Und hinsichtlich Weltoffenheit und pluralistischer Medienvielfalt ist Katalonien dem Rest Spaniens um Jahre voraus.
Das Spanienbild vieler Deutscher ist noch von den Klischeebildern einer einheitlichen spanischen Kultur geprägt, die in der Francozeit jahrzehntelang erfolgreich propagiert wurden. Dabei ist Spanien ein Land voller kultureller Vielfalt – Herr Wieland hat durchaus Recht, wenn er von einem „Vielvölkerstaat“ spricht. Es ist an der Zeit, dass die FAZ dieser Vielfalt Rechnung trägt.

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23. Juni 2006 19:47

@Herrn Martischewski

Frank Martin (FrankMartin)

Für die von Ihnen erwähnten 100 Mio. Toten des 20 Jh. waren nach meiner Erinnerung durchaus nicht Kleinstaaten verantwortlich. Oder habe ich da etwas verpasst?

Eine "Logik der Geschichte" zu vermuten, ist durchaus mutig. Mir scheint, sie versuchen aus vergangenem auf kommendes zu schließen? Dazu kann ich ihnen nur versichern, dass Geschichte sich nicht wiederholt, es sei denn, man betrachtet den bisherigen, unregelmäßigen Wechsel zwischen dem Machterwerb großer Reiche und deren Zerfall in kleinere Staaten als zyklische Entwicklung.

Zudem wären 7.000 Lobbyisten in Brüssel völlig ohne Aufgabe, gäbe es den dortigen Moloch regieriger Bürokraten und ihren Einfluss auf ganz Europa nicht.
Auch scheint es mir absurd zu glauben, es würde in einer europäischen Zentrale "Regionalpolitik" gemacht.

Ich bin mir nicht sicher, ob es möglich ist, mit Ihrer besonderen Wortwahl für jene großräumige politische Gemeinsamkeit zu werben, die Sie in offensichtlicher Ignoranz jener guten Erfahrungen, die die Schweizer mit einer vergleichsweise (finanz-)schwachen Zentralregierung machten, für not-wendig halten.

Die entscheidende Minderheit ist das Individuum.

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22. Juni 2006 20:50

Europa am Scheideweg

Frank Martin (FrankMartin)

Geht die Wanderung weiter in Richtung europäischer Superstaat mit Steuerharmonisierung und massiver Umverteilung oder erleben wir den Beginn einer Dezentralisierung, ähnlich der auf dem Balkan? Vielleicht entsteht doch noch die eine oder andere weitere "Schweiz" in Europa?

Die historischen Erfahrungen mit großen Reichen und starker Zentralregierung lassen Hoffnungen nur für den zweiten Fall zu.

Noch heute profitieren die Deutschen von der kleinstaatlichen Gliederung, die bis ins neunzehnte Jahrhundert zum Entstehen und Gedeihen einer Vielzahl wirtschaftlicher und kultureller Zentren führte. Mit der Zollunion 1834 war das wichtigste Hindernis für eine gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung der deutschen Staaten überwunden. Wachsender politischer Einfluss auf das Wirtschaftsleben seit der Reichsgründung 1871, die von Politikern angezettelten Kriege mit Ländern, die doch die Heimat der Handelspartner der Kaufleute waren, raubten seither ein heute unvorstellbares Wohlstandspotential für Europa.

Die Ablehnung des EU-Verfassungsvertrages kann sich eines Tages rückblickend als Meilenstein für die Rückbesinnung der Europäer auf bürgernahe dezentrale Strukturen erweisen, die nicht in erster Linie der Versorgung von Politikern und ihren Freunden dienen. Der Weg ist aber noch weit, denn noch gelingt es der EU auch auf dem Balkan, mit den Steuergeldern der Bürger der alten EU-Länder willfährige politische Bürokratien zu errichten, die weitere Autonomiebestrebungen verhindern.

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20. Juni 2006 09:34

Deutschland auf dem Balkan

Karin Gensrich (sydorle)

Diesem Beitrag zufolge befindet sich wohl auch Deutschland mit seinen 16 "tribalistisch" gepraegten Laendern auf einem unheilvollen Weg.

Wer will eigentlich Spanien verdenken, dass es die "Erfolgsgeschichte" des foederalen Gebildes Bundesrepublik Deutschland fuer sich angepasst nachahmen moechte? Reden wir in Deutschland von einer "Balkanisierung"?

In mancher Hinsicht haben die Regionen in Spanien auch heute schon mehr Rechte als die Bundeslaender in Deutschland. In meinem Wohnort an der Costa Blanca muessen die Kinder die Sprache Valenciano lernen, ansonsten koennen sie hier nicht studieren. Das ist so, als muessten Studenten, die in Muenchen zur Uni gehen wollen, erst ein Diplom in "Bayerisch" ablegen. Bei Behoerden wird alles zweisprachig abgewickelt.

Ob das ein erstrebenswerter Zustand ist? Nicht aus meiner Sicht. Ich wende mich nur gegen den Unterton in diesem Beitrag: Balkanisierung der Iberischen Halbinsel! Das kommt mir unsaeglich arrogant vor, moege der Verfasser mal die Verhaeltnisse in Deutschland unter die Lupe nehmen!

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