Asien strebt nach vorn

Den Kreis der G 8 erweitern

Von Petra Kolonko

09. Juli 2008 Wenn die Führer der großen Industrienationen einmal im Jahr zu vertrauten Gesprächen zusammenkommen, versetzt das im Gastgeberland jedes Mal ganze Regionen in den Ausnahmezustand. Als Meinungsaustausch im kleinen Kreis haben die G-7-Treffen begonnen; inzwischen ist daraus ein Großereignis geworden, das mit riesigem Aufwand geschützt und ebenso aufwendig nach außen dargestellt wird. Dass der Aufwand und die Ergebnisse oft nicht im besten Verhältnis zueinander stehen, hat die Gipfel-Inszenierung bisher nicht beeinträchtigt. Niemand will auf diese Treffen verzichten, jeder betrachtet es als Ehre, dem Club der Großen anzugehören.

Doch immer auffälliger wird, dass in der Runde längst nicht mehr alle großen Volkswirtschaften der Welt vertreten sind. Die G 7, das war einmal „der Westen“, eine Gruppe demokratischer Industrienationen: Die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Kanada, Italien und Japan. Nach dem Ende des Kalten Krieges kam Russland als ein Land auf dem Weg zu Demokratie dazu. Seither hat sich die Welt verändert, durch die Globalisierung ist die Weltwirtschaft neu definiert worden.

Indien, China, Mexiko, Südafrika und Brasilien wurden locker an die G 8 angebunden

Asien strebt nach vorn, Indien und China sind wichtige Akteure geworden. Die Volksrepublik China gehört inzwischen zu den vier größten Volkswirtschaften mit einem Wachstum von jährlich mehr als zehn Prozent. Sie gilt als Lokomotive des globalen Wachstums, ist bei den Weltwirtschaftsgipfeln aber nicht vertreten. Auch Indien holt auf, Brasilien, Mexiko und Südafrika entwickeln sich schnell.

In der globalen Welt des 21. Jahrhunderts kann über die Weltwirtschaft und ihre Schwierigkeiten, über Finanzkrisen, Rohstoff- und Lebensmittelpreise ohne diese Länder nicht mehr gesprochen werden. Beim letzten G-8-Gipfel in Heiligendamm trug der deutsche Vorsitz dem Rechnung, indem er den seit 2003 dazu geladenen fünf Schwellenländern einen besonderen Gaststatus zugebilligte. Indien, China, Mexiko, Südafrika und Brasilien wurden locker an die G 8 angebunden, ohne in den exklusiven Club aufgenommen zu werden. So erhielten sie Gelegenheit, ihre Interessen gegen den Protektionismus der Industrieländer zu vertreten; und die Industrieländer verlangten vor allem den Schutz geistigen Eigentums in den aufstrebenden Ländern. Bei anderen Themen wollten die meisten der acht Staats- und Regierungschefs aber lieber unter sich bleiben. Auch diesmal, in Tokayo, durften die Vertreter der Schwellenländer nur einen halben Tag an den Beratungen teilnehmen.

Gerade beim Thema Klimaschutz wurde aber deutlich, dass die Schwellenländer stärker eingebunden werden müssen. Ohne ihre Mitwirkung an der Reduzierung von CO2-Emissionen sind die besten Anstrengungen nutzlos. Gerade die fünf verweigerten aber zum Schluss eine Zustimmung zu dem langfristigen Ziel, auf das die G 8 sich tags zuvor verständigt hatte.

China zieht eine G 13 Lösung vor

Als gleichberechtigte Mitglieder in diesem Kreis hätten sie mehr Mitspracherechte, müssten aber auch mehr Verantwortung übernehmen. Das gilt für die wirtschaftlichen wie die politischen Themen, die bei G-8-Treffen erörtert werden. Im Fall Zimbabwe kam es in Toyako zu einem Erfolg, weil der russische Präsident Medwedjew nach schwierigen Gesprächen einer Erklärung für Sanktionen zustimmte. Bei der Lösung wichtiger internationaler Fragen - von Afrika bis Iran - kann es derzeit gar nicht genug Versuche geben, auch China einzubinden.

Die Schwellenländer lockt das Prestige; die Aussicht, ihre Interessen im Club der G 8 vertreten und die Regeln der globalen Wirtschaft mitgestalten zu können. Nicht alle sind aber auch bereit, schon mehr Verantwortung zu übernehmen. China liebäugelt zwar mit einer G-8-Mitgliedschaft, stellt aber offiziell noch keine Forderungen. Für eine Erweiterung der G 8 bieten sich viele Modelle an. Ein Kriterium wäre, ob man die G 8 auch weiterhin als Beratungsgremium demokratischer Staaten definieren will. Vor allem Washington und Tokio lehnen aus diesem Grund eine Mitgliedschaft Pekings ab. Es gibt den Vorschlag einer G 8 plus 5 (China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika), den Vorschlag G 8 plus 2 (China und Indien), und auch über eine G 8 minus 1 (Russland) plus 2 (China und Indien) ist schon spekuliert worden. Doch über einen Ausschluss derzeitiger Mitgliedern wird wohl niemand ernsthaft nachdenken. China zieht eine G 13 Lösung vor, da es sich dann auch weiterhin als Sprecher der Schwellenländer präsentieren könnte und bei der Abwehr möglicher Ansprüche von Seiten der Industrieländer nicht allein stünde.

Für das G-8-Treffen im kommenden Jahr hat der italienische Ministerpräsident Berlusconi als Gastgeber schon angekündigt, man werde mehr Zeit mit den G 5 verbringen. Solche Gesten könnten von den Schwellenländern schon bald nicht mehr als freundlich, sondern als herablassend angesehen werden. Deshalb sollte die G 8 über eine Erweiterung nachdenken, so lange die Schwellenländer sich noch an ihnen orientieren. Sonst könnte es sein, dass die bald ihren eigenen Club gründen.



Text: F.A.Z.

 
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